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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM686
die Umgebung Seiner Majestät und sonstige markante Gestalten der Ge-
schichte Oesterreichs von 1830 bis 1908 auszudehnen“. Auch hielt Minkus
fest, „im Sinne dieser Auffassung unseres Vorwurfs […] keine Kunstausstel-
lung [zu] intentionieren [sic!]“. Hingegen waren die „Beschränkung auf die
Ikonographie Seiner Majestät“ und „biographische Vollständigkeit […] das
Ziel“. Interessant ist es dabei zu sehen, wie diese Beschränkung zugleich
mit dem patriotischem Zweck der Ausstellung legitimiert wurde: „[...] denn
dank der unvergleichlichen innigen Durchdringung des Lebens unseres Kai-
sers mit dem Leben seiner Völker, werden sich ja mit jedem Gegenstande
der Ausstellung so vielverzweigte, so bedeutsame, so teuere Erinnerungen
verknüpfen, daß die Bilderbiographie des Monarchen selbständig zur Chro-
nik seiner Reiche wird.“938 Der Tendenz nach war hier also bereits jener bei
der späteren Aufarbeitung des Zusammenbruchs der Habsburgermonarchie
so oft bemühte Topos angelegt, wonach die zentrale Integrationsfigur des
Reiches und der alleinige Garant seines Fortbestandes der greise Kaiser
Franz Joseph selbst war.939 Des weiteren referierte Minkus in seinem Be-
richt noch über verschiedene Objektkategorien im Detail, über die Förderer
der Ausstellung, deren Bandbreite „von Ihren Majestäten dem Deutschen
Kaiser und dem Könige von Rumänien, den königlichen Höfen von Bayern
und Sachsen“ über sämtliche Zentralstellen der Hof- und Staatsverwaltung
bis zu den Gemeinden und den „Korporationen und Vereinen, insbesondere
zahlreichen Schützenvereinen“, reichte, und über die Ausstellungskonzep-
tion und -architektur. Dieser letzte Punkt ist nicht uninteressant, da er eine
bemerkenswerte Schwerpunktsetzung in Bezug auf die Ikonographie und
die Person des Kaisers zum Ausdruck bringt. Die Ausstellung sollte näm-
lich „in chronologischer Reihenfolge in sieben Sälen installiert werden, von
welchen sechs je ein Jahrzehnt der Allerhöchsten Regierungszeit repräsen-
tieren werden, während der siebente, als Mittel- und Festraum der Epoche
von 1830 bis 1848 gelten wird.“940 Die Zeugnisse zur Jugend des Kaisers üb-
ten damals offensichtlich eine besondere Faszination aus – ein Phänomen,
das nicht nur bei der Ausstellung „Unser Kaiser“ zutage trat, sondern sich
auch aufgrund zahlreicher weiterer Zugriffe auf das einschlägige Material in
der Fideikommissbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts belegen lässt
(vgl. Abschnitt 3.4). Minkus war davon überzeugt, dass „die größte Anzie-
hungskraft […] wohl die außerordentlich zahlreichen und mannigfaltigen
Ausstellungsobjekte ausüben, die in naher persönlicher Beziehung zu Sei-
ner Majestät stehen, insbesondere jene Gegenstände dieser Art, die auf die
938 Ebenda (Bericht), [pag. 2f.].
939 Unowsky, Patriotism, 3, 9f., 113; Stachel, Franz Joseph, 94–96; Petschar, Kaiser.
940 Ebenda, [pag. 5f.].
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken