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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 687
Jugendzeit des Kaisers zurückreichen: Schulhefte, Zeichnungen, Spielzeug
aus der Kindheit; Uebungsbriefe des Erzherzogs Franz Joseph an seine
Sprachlehrer; eigenhändig gezeichnete Lithographien […]“.941 Die Ausstat-
tung des Raumes, in dem dieses Material präsentiert werden sollte, wurde
als Überraschung angekündigt, deren Idee „nicht unserem Komitee, sondern
der Initiative eines hohen kirchlichen Würdenträgers entsprungen ist“. Wie
aus einer handschriftlichen Notiz im Typoskript und aus späteren Zeitungs-
artikeln hervorgeht, wurde der Festraum der Ausstellung dem Thronsaal
des Jahres 1848 im Erzbischöflichen Palais in Olmütz nachgebildet. Der da-
malige Fürstbischof der Stadt, der zugleich der Anreger für diese Idee war,
„überließ zu diesem Zweck die wohlerhaltenen Möbel des historischen Saa-
les, Ornamente, Einrichtungsgegenstände verschiedener Art, kurz, was man
eben die stummen Zeugen eines Vorgangs zu nennen pflegt.“942 Die übrigen
sechs Räume erhielten das „innendekorative Gepräge der betreffenden Zeit-
abschnitte“.943
Am 14. November 1908 erstattete Schnürer einen Bericht an die General-
direktion über die Kooperation mit Fritz Minkus, der „seit Wochen […] – mit
Unterbrechungen – hier damit beschäftigt [ist], die für ihn bereit liegenden
Objekte […] durchzuarbeiten, wobei er von Kustos Jureczek und Kanzleise-
kretär Beetz auf das angelegentlichste unterstützt wird.“944 Im Hinblick auf
die getroffene Auswahl der Leihgaben vermeinte Schnürer – „da es sich hier-
bei zumeist um Reproduktionen nach Porträten u. dgl. handelt“ –, dass „nur
hinsichtlich einiger weniger Nummern […] die Einholung der Allerhöchsten
Genehmigung Seiner Majestät sich als notwendig erweisen“ würde. Es waren
dies jene „Stücke, die einen intimeren, persönlicheren oder familiären Cha-
rakter aufweisen“, und zwar: je ein Aquarell von Johann Ender und Peter
Fendi, das den Kaiser als Kind mit seinen Geschwistern zeigt, eine Litho-
grafie, die er als junger Erzherzog 1843 gezeichnet hatte (der sog. „Jockey“),
und „eine Serie von 16 Bänden und 2 Heften in Quart ‚Schriftliche Seme-
strialprüfungen des Erzherzogs Franz Joseph‘“. Diese sog. „Schulhefte“ des
Kaisers waren natürlich der heikelste Punkt; ihnen widmet Schnürer folglich
die größte Aufmerksamkeit. Dabei muss vorausgeschickt werden, dass die
Idee ihrer öffentlichen Präsentation von Schnürer selbst stammte, da er sie
941 Ebenda, [pag. 3f.]
942 Neue Freie Presse, Nr. 15.903 v. 28.11.1908, 1.
943 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, R. 5, Kt. 537, Z. 2945 ex. 1908: Bericht zur „Huldigungsaus-
stellung ‚Unser Kaiser‘“, [pag. 5f.].
944 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, R. 5, Kt. 537, Z. 2945 ex. 1908. Der Bericht liegt dem Akt
in einer handschriftlichen Fassung, datiert 12.11.1908, und in einer maschinschriftlichen,
datiert 14.11.1908, bei. Das Konzept dazu unter FKBA38066, fol. 13–17, wo auch die Liste
der 150 ausgewählten Ausstellungsobjekte enthalten ist.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken