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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM692
ben. Das Zitat legt es nahe, dass Schnürer ihm die Bibliothek in ihrer Eigen-
schaft als Habsburgersammlung präsentierte und dass er Bogeng vielleicht
auch von seinen Ambitionen zur Gründung eines Habsburgermuseums
erzählte. Entscheidend war nun auch, dass die „Habsburg Collection“ das
Gegenstück zu einer analogen Schau der privaten Hohenzollern-Bibliothe-
ken bilden sollte. Auch hier, wie bereits bei Schnürers Plänen für ein Habs-
burgermuseum (vgl. Abschnitt 3.3), war das deutsche Kaiserhaus also das
unmittelbare Vorbild und Konkurrent zugleich. Die Antwort Schnürers auf
Bogengs Vorschläge ist zwar nicht überliefert, doch erfahren wir indirekt aus
einem weiteren Schreiben des letzteren vom 1. November 1913, dass der Vor-
stand der Fideikommissbibliothek „für die Ausstellung Seiner Apostolischen
Majestät den gleichen Raum wie für die Ausstellung des Deutschen Kaisers“
beanspruchte.963 Schnürer sah die Unternehmung also durchaus unter dem
kompetitiven Aspekt.
Die Schau ist in dieser Gegenüberstellung allerdings nicht realisiert wor-
den. Am 1. Jänner 1914 teilte Bogeng Schnürer mit:
„Die Oesterreichische Sonderausstellung verlangt […] von der Ausstellungs-
leitung, dass alle österreichischen Ausstellungen in ihr vereinigt werden, so-
dass wir also, auch wenn wir die Beteiligung der Fideikommiss-Bibliothek für
unsere Gruppe gewinnen würden, gar keine Möglichkeit hätten, sie in unserer
Gruppe unterzubringen, da dann sofort die Oesterreichische Sonderausstel-
lung diesen Teil unserer Ausstellung für sich in Anspruch nehmen würde.“964
Tatsächlich hatte die österreichische Abteilung die Fideikommissbibliothek
bereits im Juni 1913 – also zeitgleich mit Bogeng – aufgefordert, sich im
Österreich-Pavillon im Rahmen der Unterabteilung „Privatbibliotheken“ an
der Ausstellung zu beteiligen.965 Am 13. Februar 1914 brachte nun der Di-
rektor der Universitätsbibliothek Wien, Isidor Himmelbaur, zugleich Leiter
der Gruppe 14 innerhalb der österreichischen Kommission für die „Bugra“,
seinerseits den Vorschlag ins Spiel, eine Habsburger-Ausstellung auszu-
richten – diesmal jedoch in den Räumen des Österreich-Pavillons. Auch er
bezog sich dabei auf die Ausstellung der Hohenzollern-Bibliotheken als Ex-
emplum mit Signalwirkung und strich außerdem die Bedeutung einer sol-
chen Präsentation für eine Neu-Bewertung der Sammeltätigkeit von Kaiser
Franz II./I. hervor: „Da die Bedeutung Kaiser Franz I. von Oesterreich für
das Bibliothekswesen und die Bibliotheken in der Literaturgeschichte wohl
963 FKBA42012, fol. 4r.
964 FKBA42012, fol. 8r.
965 Ebenda, fol. 2.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken