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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 695 -
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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 695 Privatpersonen und Körperschaften auf Werke der Sammlung zugreifen konnten. Dieser Prozess, der – aus einer gewissen zeitlichen Entfernung be- trachtet – anscheinend einer inneren Notwendigkeit des gesellschaftlichen Wandels gehorchte, führte letztendlich dazu, dass die Fideikommissbiblio- thek am Vorabend des Ersten Weltkrieges wie ein halböffentliches Institut agierte und verschiedene Dienste des Wissenstransfers und der Bereitstel- lung von Kulturgut und Informationsträgern der interessierten Öffentlich- keit wie selbstverständlich zur Verfügung stellte. Diese Entwicklung verlief jedoch nicht einheitlich; sie wurde von äußeren Einflüssen gesteuert, hinter denen sich sehr unterschiedliche Interessen und Motive verbargen. Es ist von Vorteil, sich zunächst einen Überblick über die verschiedenen Modalitä- ten der Benutzung der Sammlung zu verschaffen. Der einfachste Weg, die Sammlung in Anspruch zu nehmen, war, Bücher zu entlehnen – sei es zur Lektüre aus privatem Interesse oder zu Forschungs- zwecken. Diese Art der Nutzung muss immer schon bestanden haben, und zwar nachweislich zunächst durch Mitglieder der kaiserlichen Familie.972 In eingeschränkten Fällen konnten offenbar auch Hof- und Staatsbedienstete von der Bibliothek Gebrauch machen. Genaue Daten existieren aber erst seit dem Amtsantritt von Moritz von Becker, auf den die Einführung eines Ausleihjournales zurückgeht.973 Aus diesen Verzeichnissen, die den Zeitraum von 1868 bis 1915 bzw. 1920 umfassen, lässt sich deutlich ablesen, dass die Entlehnungen zunächst (ab ca. 1875) sprunghaft anstiegen und sich dann – abgesehen von einigen Schwankungen, die vor allem durch die mehrfachen Übersiedlungen der Bibliothek bedingt waren – bei rund 200 pro Jahr ein- pendelten (vgl. Grafik 4). Bei den entlehnten Werken handelte es sich nicht ausschließlich um ge- druckte Bücher; auch Handschriften und Grafiken wurden mitunter ver- sendet oder wenigstens angefordert. Da es sich in diesen Fällen oftmals um sehr wertvolle Objekte handelte, wurde den Wünschen der Antragsteller verständlicherweise nicht immer Rechnung getragen. Wie wir noch sehen werden, war dies einer der strittigsten Punkte, wenn es darum ging, die Be- stände der Fideikommissbibliothek der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stel- len. 972 Vgl. FKB.INV.59 und FKB.INV.79, wo die von den Mitgliedern der kaiserlichen Familie entlehnten Werke verzeichnet sind, und den Beitrag von Thomas Huber-Frischeis in die- sem Band, Abschnitt 3.10 u. 4.6. 973 FKB.INV.64. Die ältesten Einträge sind auf die Jahre 1868 und 1872 datiert und tragen die Handschrift Beckers. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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