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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919958
in Bezug auf den habsburg-lothringischen Fideikommiss bevollmächtigt. In
Bezug auf die Fideikommissbibliothek war Stritzl von Artstatt zum ersten
Mal in Erscheinung getreten, als die Münzen- und Medaillensammlung 1917
als „unteilbares Nachlassvermögen weiland des Kaisers Franz“ zur wissen-
schaftlichen Verwendung an die Kunstsammlungen des allerhöchsten Erz-
hauses abgegeben wurde.149
Es ist bemerkenswert, dass bei der „Durchführung der Fideikommissab-
handlungen über die Sammlungen Meines Hauses“150 sowohl die Fideikom-
missbibliothek, als auch die Hofbibliothek angesprochen werden. Im Falle
der Hofbibliothek wirkte sich diese Vorgehensweise äußerst nachteilig auf
die Friedensverhandlungen aus, da die für die Verlassenschaftsabhandlung
notwendige Frage nicht beantwortet werden konnte, ob es sich bei den Be-
ständen der Hofbibliothek um staatliches oder fideikommissarisches Eigen-
tum handelte. Die Hofbibliothek wurde, wie später zu sehen sein wird, der
zweiteren Vermögensgruppe zugeordnet.
Für die Fideikommissbibliothek war das letzte Zuwachsverzeichnis zur
Hauptinventur für das Jahr 1916 angefertigt worden. Für 1917 und 1918
fehlten die Zuwachsverzeichnisse zur Gänze.151 Trotz dieser ausständigen
Arbeiten wurde die Einantwortung der Verlassenschaft durch Beschluss des
Obersthofmarschallamts vom 2. Oktober 1918 wirksam.152
Daraus resultierend gab man Rechtsanwalt Stritzl von Artstatt eine Frist
bis zum 1. Jänner 1921 und nahm die Direktion der Fideikommissbibliothek
in die Pflicht, die „Reorganisationsarbeiten der Bibliothek tunlichst zu be-
schleunigen“ um in weiterer Folge die Zuwächse zu inventarisieren153 und
den Rechtsanwalt von der abgeschlossenen Inventur in Kenntnis zu setzen.
1.2.3 Zum Kassensystem der Herrscherfamilie und zur Finanzierung der
Bibliotheksausgaben
Bis zum Tod von Kaiser Franz Joseph waren die Auslagen der Fideikom-
missbibliothek aus den Geldern der sogenannten Fideikommisskasse be-
glichen worden, deren Speisung aus den Erträgen des Falkenstein’schen
149 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 540, 2413/1917, fol. 1r.
Das dazu erforderliche Rechtsinstrument war sehr umfangreich, da alle Familienmitglie-
der ihre Einwilligung erteilen mussten.
150 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 3198/1918, 5r.
151 Wien, ÖStA, HHStA, HausA, Inventare der Fideikommissbibliothek 114.
152 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 3198/1918, fol. 6r,
Abschrift des Beschlusses vom Obersthofmarschallamt zur Einantwortung des Primogeni-
turfideikommisses „Fideikommissbibliothek“.
153 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 3198/1918, fol. 4r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken