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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919972
Forst de Battaglia interessierte sich ebenso wie Payer von Thurn für den
Fauststoff.211 Er entlehnte einmalig die beachtliche Anzahl von 129 Wer-
ken.212
Eine dritte Gruppe kann man als Historiker zusammenfassen, die spo-
radisch oder gar einmalig Werke entlehnten. Zu ihnen zählen Heinrich von
Srbik, Coelestin Wolfsgruber oder Gustav Turba.
Gehörte man keiner dieser drei Gruppen an, stellte die Entlehnung von
Werken der Fideikommissbibliothek außer Haus ein schwieriges Unterfan-
gen dar. Für diese musste offiziell bei der Bibliotheksdirektion angesucht
werden, was aber ab 1914 grundsätzlich nicht mehr gestattet war. Noch
1918 suchte der Komponist Ignaz Herbst um die Entlehnung eines selbst-
verfassten Klavierauszugs und Textbuchs seiner Oper „Das Kaiserlied“ an.
Schnürer konnte lediglich eine Reproduktion des Werks anbieten und unter-
sagte die Entlehnung, um die der Autor angesucht hatte.213
Ein symptomatischer Fall diplomatischen Einflusses auf die Entschei-
dungsfindung in der Fideikommissbibliothek stellt ein Ansuchen zur Be-
nützung der beiden „Latein-Mittelniederländischen Vocabularien“ mit den
Signaturen FRANZ 9382 und 9390 dar. Nachdem der Genter Lektor, später
Professor und Leiter der Universitätsbibliothek Gent, Willem de Vreese214,
bereits im Jahr 1907 insgesamt 44 Handschriften für das Inventarisierungs-
projekt „Bibliotheca neerlandica manuscripta“ benutzt hatte, die aus diesem
Grunde zur Einsicht an die Universitätsbibliothek Wien entlehnt worden
waren,215 suchte er 1909 auch um die Entlehnung einer weiteren Hand-
schrift in die Universitätsbibliothek Gent an.216 Nach der Ablehnung bat
Vreese 1911 neuerlich um Entlehnung von Handschriften in die Universi-
tätsbibliothek Gent, diesmal für die Codices FRANZ 9382 und FRANZ 9390.
In dieser Angelegenheit erhielt Vreese Unterstützung durch die persönliche
Bitte des im Ruhestand befindlichen Direktors der Universitätsbibliothek
Wien, Wilhelm Haas.217 Schnürer begründete die Ablehnung unter anderem
damit, dass Entlehnungen und Versendung von Handschriften entsprechend
211 Zybura, Forst-Battaglia, 44.
212 Forst wurde eine Fernleihe von 129 Werken aus dem Ossolineum in Lemberg, der Uni-
versitätsbibliothek bzw. der Czartoryskischen Bibliothek in Krakau sowie der Universi-
tätsbibliothek in Budapest für genealogische Arbeiten gewährt u. a. zur Bearbeitung der
Ahnentafel von Erzherzog Franz Ferdinand. Vgl. FKBA38212.
213 FKBA46038.
214 Zu Willem de Vreese vgl. Biemans, Vreese.
215 FKBA37212.
216 Es handelt sich um den Kodex. FRANZ 9373, vgl. FKBA38081. Zum gescheiterten Versuch
der Entlehnung des Werks durch Vreese, vgl. Anm. 474 im Beitrag von Rainer Valenta.
217 Zu Wilhelm Haas vgl. Pongratz, Universitätsbibliothek, 114.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken