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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 981
erworbene Mitgliedschaft der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft.253 Die
Regierungszeit Kaiser Franz Josephs während des Ersten Weltkriegs ist
von einer passiven Handlungsweise gegenüber den Belangen der Fideikom-
missbibliothek gekennzeichnet. Anders verhielt es sich mit dem Engagement
von Franz Schnürer, der sich gleich in mehreren Bereichen für „seine“ Bib-
liothek einsetzte, sei dies im Hinblick auf die Verwendung der Bibliothek
als Museum, die damit sicherlich in Verbindung stehende Anschaffung von
Habsburgica bzw. die Wahrnehmung der Bibliothek in der Öffentlichkeit.
Dies, obwohl die Fideikommissbibliothek bis zum Ende der Monarchie der
Öffentlichkeit nur im eingeschränkten Maße zugänglich blieb und jene, die
die Bibliothek regelmäßig benützen entweder Beamte des Hofstaats oder
von staatlichen Stellen waren bzw. in einem persönlichen Naheverhältnis zu
den Bibliotheksangestellten standen. Obschon sich Franz Schnürer über den
gesamten Zeitraum immer wieder für eine Nutzung der Fideikommissbiblio-
thek als Museum eingesetzt hatte,254 stand dieses Unternehmen gerade in
Kriegszeiten unter keinem guten Stern. Im Gegensatz zu Bibliotheksgrün-
der Kaiser Franz II./I., der sehr viel Eigeninitiative und persönliches Inter-
esse zeigte, lag dies auch an der Rolle der beiden Kaiser Franz Joseph und
Karl. Sie sorgten zwar weiterhin für die finanzielle Erhaltung der Bibliothek
und hatten fallweise ein offenes Ohr für Schnürers Ideen. Sie setzten sich
aber in einem sehr geringen Maße mit den Inhalten, dem weiteren Aufbau
und der Funktion der Bibliothek auseinander.
Dennoch versuchte Schnürer nach außen hin, ein einheitliches Auftreten
zu pflegen. 1915 hatte er um die Einführung einer Amtstracht für die Bib-
liotheksdiener ähnlich jener angesucht, die bereits die wissenschaftlichen
Beamten trugen.255 Als Begründung hierfür wurde angegeben, dass der Par-
teienverkehr der Bibliothek ständig zunehme. Diese Aussage steht im Wi-
derspruch zum Rückgang von Buchankäufen und Entlehnungen. Es zeigt
sich, dass Schnürer die Frage, ob die Fideikommissbibliothek eine private
oder öffentliche Institution sei, ganz unterschiedlich beantwortete.256 Schnü-
rer selbst bestätigte in einem 1920 in der „Reichspost“ erschienenen Artikel,
dass „[…] die Fideikommißbibliothek, so wertvoll und zum Teil einzigartig
ihre Schätze auch sind, der Oeffentlichkeit nicht oder doch nur in beschränk-
tem Maße zugänglich war“.257 Er kritisiert, dass die Fideikommissbibliothek
in dem kurz zuvor erschienenen Werk „Die beiden Hofmuseen und die Hof-
253 FKBA42027.
254 Vgl. dazu den Abschnitt 3.3. von Rainer Valenta.
255 FKBA43039.
256 Vergleiche dazu auch Schnürers Auslegung nach Ende der Monarchie, Anm. 439.
257 Reichspost 271 (01.10.1920) 6.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken