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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 985
war, wer die Werke entlehnt hatte: Es handelte sich um Richard Smekal270.
Der Entlehnschein von Smekal liegt dem Akt bei. Im Akt haben sich meh-
rere Briefe von Rudolf Payer-Thurn an Smekal erhalten, die ihn auf diesen
Sachverhalt hinweisen.
„Durch einen Zufall bin ich kürzlich daraufgekommen, dass Sie das Materiale
welches Sie seinerzeit für Ihren Aufsatz über Silhoueten im Donauland (Mai
1818) aus der Familien-Fideikomiß-Bibliothek entlehnt haben, nicht zurück-
gestellt haben. Es handelt sich da vor Allem um die beiden in rotes Saffian
gebundenen Alben mit Silhouetten von Mitgliedern des Kaiserhauses, die Sie
seinerzeit in kurzem Wege entlehnt haben und die im Trubel der Ereignisse
Sie zurückzustellen und ich zurück zu verlangen vergessen haben. Ich bitte
Sie also inständigst einmal Ihr Gedächtnis gründlich anzustrengen und mir
jeden Anhaltepunkt mitzuteilen.“
Doch die wiederholten Briefe Payer-Thurns blieben anscheinend unbeant-
wortet.
1.3.2 „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Seine Majestät die baldige
Inangriffnahme dieser Arbeit wünschen“. – Die Sammlung „Kaiser
und König Karl im Weltkrieg“ in der Fideikommissbibliothek
Durch271 die Thronbesteigung Kaiser Karls I. kam frischer Wind in die wei-
tere Entwicklung der Sammlungsgeschichte. Dies kann jedoch nicht mit
dem Interesse Karls an den Sammlungen begründet werden, sondern ist
wiederum auf die Initiative Franz Schnürers zurückzuführen. Ein Beispiel
dafür stellt die Kriegssammlung „Kaiser und König Karl im Weltkrieg“ dar,
die Karl I. auf Vorschlag von Schnürer in der Fideikommissbibliothek anle-
gen ließ.
Bevor näher auf die eben angesprochene Kriegssammlung eingegangen
wird, bedarf es einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema der Kriegs-
propaganda und der Dokumentation in der Habsburgermonarchie. Voraus-
geschickt werden muss die diesbezügliche Bedeutung der Hofbibliothek, wel-
che von allen Institutionen der österreichisch-ungarischen Monarchie beim
Requirieren, Sammeln, Erhalten und Dokumentieren der „Erfolge“ des Ers-
ten Weltkriegs federführend war, und zwar schon ab dem ersten Kriegsjahr.
270 Vgl. dazu Anm. 210.
271 Das Zitat stammt von Generaldirektor Franz von Hawerda-Wehrlandt gegenüber Franz
Schnürer. Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 540,
2949/1917, fol. 1v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken