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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919988
Teil der gesammelten Bilder an die Öffentlichkeit. Nicht genehme Fotos er-
hielten den Stempel ‚Reservat‘, ihre Veröffentlichung war verboten.“282
Unter Kaiser Karl galt es also, eine Reihe von Initiativen um die Propagan-
damaschinerie der ohnedies bereits kriegsmüden Monarchie anzukurbeln.
Davon nahm er sich selbst und die Kaiserfamilie nicht aus. Unzählige Fotos
mit ähnlichen Sujets wurden vom Kriegspressequartier freigegeben. Sie zei-
gen Kaiser und Kaiserin, umringt von Soldaten an der Front, oder im Kreise
der Bevölkerung bis hin zu Porträtfotografien der kaiserlichen Kinder. Um
die Organisation rund um die dynastische Propaganda zu bündeln, wurde
auf allerhöchsten Befehl vom 20. Februar 1917 eine eigene Stelle im Kriegs-
pressequartier ins Leben gerufen, der sogenannte „Pressedienst für die al-
lerhöchsten Herrschaften“ unter der Leitung von Karl Werkmann.283 Der
Hauptmann war zwar formal dem Kriegspressequartier unterstellt, erhielt
seine Weisungen aber einzig von der Militärkanzlei Seiner Majestät.284 Ziel
war es, der Presse schnell verfügbare Bilder weiterzugeben, die den Kaiser
und den Krieg ins rechte Licht rückten. Darüber wurde auch die Fideikom-
missbibliothek informiert, allerdings erst durch ein Schreiben der Generaldi-
rektion vom 4. Jänner 1918. Zunächst wurden die Aufgaben des Pressediens-
tes kursorisch umrissen: die „Sammlung, Bearbeitung und Verarbeitung von
Nachrichten und Berichten über die Allerhöchsten Herrschaften“. Dabei
wurde explizit die „bildliche Berichterstattung“ hervorgehoben, die „Unter-
stützung der Zensurbehörde bei Prüfung nicht von dem Pressedienste ausge-
henden Veröffentlichungen über die Allerhöchsten Herrschaften“, aber auch
die „Beobachtung der Presse in Bezug auf derartige Veröffentlichungen, so-
wie die „allfällige Berichtigung unrichtiger Darstellungen“.285 Als weitere
Konsequenz des Wirkungskreises des Pressedienstes seien alle Nachrichten
der Hofämter, so auch die Fideikommissbibliothek, vor der Veröffentlichung
an den Pressedienst zu übergeben. Zur Regelung des Informationsflus-
ses wurde am 3. Oktober 1918 eine weitere Kontrollinstanz eingeschoben.
Nachrichten der Fideikommissbibliothek über Mitglieder des Allerhöchsten
Kaiserhauses gingen nicht direkt an den Pressedienst, sondern waren der
Generaldirektion „vorzulegen […], die deren allfällige Weiterleitung an den
Pressedienst besorgen wird“.286 Hier wurde also, um den Informationsfluss
282 Holzer, Bildberichterstattung, 490.
283 Reichel, Kriegspressequartier, 26.
284 Holzer, Propaganda, 333.
285 FKBA46004, fol. 1r.
286 FKBA46042, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken