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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 991
Ersten Weltkrieg in der Tagespresse. Die „Schwesteranstalt“294 der Hofbib-
liothek, wie Schnürer die Fideikommissbibliothek in einem Glückwunsch-
schreiben anlässlich des Geburtstags von Joseph von Karabacek nannte,
hatte diesen Schritt gesetzt um einen weiteren Personenkreis anzusprechen.
Von der Fideikommissbibliothek erging allerdings eine Reihe von Anfragen
an andere staatliche Institutionen. In einem Schreiben, das sowohl an das
Kriegsarchiv, als auch das Kriegspressequartier erging, bat Rudolf Payer
von Thurn im Auftrag Seiner Majestät, Fotografien des Kaisers für die neue
Sammlung zur Verfügung zu stellen.295 Das Kriegsarchiv bot daraufhin die
Anfertigung von Abzügen aus den eigenen Beständen an und verwies auf die
Sammlungen des Militär-Geographischen Instituts.296 Auf der Basis eines
Inventars wandte man sich schließlich mit einer konkreten Bestellung von
Bildmaterial an dieses Institut.297 Das Kriegspressequartier wiederum be-
fürwortete die Entsendung eines Beamten der Fideikommissbibliothek zur
Auswahl und Reproduktion der Bilder vor Ort.298 Auch an das deutsche Bild-
und Filmamt des Kriegsministeriums in Berlin wurde von Seiten der Fidei-
kommissbibliothek eine Anfrage gerichtet, in welcher für die Herstellung
von Fotografien Kaiser Karls sowohl eine Vergütung der entstandenen Kos-
ten angeboten wurde. Das Schreiben blieb anscheinend unbeantwortet.299
Eine weitere bemerkenswerte Anfrage der Fideikommissbibliothek gelangte
an das Polizeipräsidium in Wien. Es enthielt die Bitte um Übermittlung
eines Exemplars der „verschiedenen am 9. August 1918 aus italienischen
Flugzeugen über Wien abgeworfenen Propagandaflugzetteln“.300 Dabei han-
delte es sich um ein, von dem Schriftsteller Gabriele D’Annunzio angeführ-
tes Geschwader („La Serenissima“) mit sieben italienischen Flugzeugen, die
unterschiedlich gestaltete Flugblätter über Wien abwarfen. Der Aktionis-
mus des italienischen Schriftstellers war dem Inhalt der Flugblätter zufolge
darauf ausgerichtet, der Wiener Bevölkerung die sinnlose Fortsetzung des
Kriegs von Seiten der österreichischen Regierung vor Augen zu führen.301
In einem nächsten Schritt wandte sich die Fideikommissbibliothek an das
Armeeoberkommando und äußerte den Wunsch, eine größtmögliche Voll-
ständigkeit der Sammlung Seiner „Majestät im Weltkrieg in Wort und Bild
294 Wien, ÖNB, HAD, Autogr. 563/45–1, fol.1r.
295 FKBA45037, fol. 1.
296 FKBA45037, fol. 2r.
297 FKBA45037, fol. 4r.
298 FKBA45037, fol. 6r.
299 FKBA45037, fol. 7–8.
300 FKBA45037, fol. 12r.
301 Caffarena, Air Warfare; Gumbrecht/Kittler/Siegert, Dichter, 12, 37–38.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken