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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–19191012
kommissbibliothek aus.397 Diese Raumproblematik war auch der Grund,
weshalb sich Franz Schnürer seinerseits für eine Abgabe dieses „Todten Kör-
pers“398, der „Bibliotheca Estensis“, aussprach. Anstelle der Bibliothek könn-
ten jene Bücher erneut in der Sammlung aufgestellt werden, die 1910 an das
Schloss Eckartsau abgegeben worden waren.399 Aufgrund dieser Pattstel-
lung wurde in der Angelegenheit der Estensischen Bibliothek keine weitere
Entscheidung getroffen. Josef Donabaum wurde als neuer Leiter der Hof-
bibliothek in der Angelegenheit 1917 aktiv und forderte nun die endgültige
Transferierung.400 Erneut war es der Platzmangel, der die Überstellung in
die Räumlichkeiten der Hofbibliothek unmöglich machte.401 Das Oberstkäm-
mereramt beschloss jedoch im Oktober 1917, die Bestände einstweilen in der
Fideikommissbibliothek zu belassen und eine allerhöchste Ermächtigung zu
erwirken, die Bestände von der Hofbibliothek inventarisieren zu lassen. Bei
einem aus bibliotheksökonomischer Sicht so unüberlegten Vorschlag geriet
die Bibliothek erneut in Vergessenheit und überdauerte das Ende der Mon-
archie in der Fideikommissbibliothek.402 Tatsächlich wurde die Estensische
Bibliothek in diesen Jahren kaum genutzt. Da der Verbleib der Sammlung
im Ungewissen lag, fand bis zu diesem Zeitpunkt auch keine Katalogisie-
rung statt. Lediglich der Leiter der Estensischen Sammlungen, Leo Planis-
cig, erhielt aufgrund der dortigen Inventarisierungsarbeiten Zutritt zur Bib-
liothek. Wilhelm Beetz schreibt 1926 über den Zugang zur Bibliothek, dass
es ein Benützungsverbot der Estensischen Bibliothek gebe, da diese noch
nicht katalogisiert worden sei.403 Im März 1919 verfügte Kaiser Karl die
Ausscheidung der Estensischen Bibliothek aus der Hofbibliothek und deren
Angliederung an die Fideikommissbibliothek als „einheitlichen und unver-
äusserlichen, aus dem Estensischen Vermögen stammenden Bestandteil“.404
Nachdem die Biblioteca Estense ursprünglich ein Teil der Estensischen
Sammlungen war, die der letzte Herzog von Modena, Franz V., nach Wien
397 Wien, ÖNB, HAD, Hausarchiv 258/1915.
398 FKBA38025, fol. 1r.
399 Es handelte sich um eine Reihe von weniger bedeutenden Büchern, die man zunächst ab-
gegeben hatte. Die Werke verblieben allerdings bis 1918 in Eckartsau. Einem 1923 erfolg-
ten Schreiben an die dortige Schlossverwaltung zufolge suchte man um die Rückstellung
der Werke an, welche allerdings mit der Begründung abgelehnt wurde, dass es sich um
unbedeutende Werke handle und das Schloss mit seinen Büchern einen Gesamtkorpus
darstelle, der nicht zerstückelt werden dürfe und der Allgemeinheit zugänglich gemacht
werden solle. Vgl. FKBA38010.
400 FKBA43024, fol. 11r–v.
401 Beetz, Porträtsammlung (1935), 53.
402 FKBA43024, fol. 13r–v.
403 Beetz, Porträtsammlung (1926), 70.
404 FKBA43024, fol. 15r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken