Seite - 1020 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–19191020
damit der „wohlwollendsten Erledigung durch die Generaldirektion sicher
sein könne“.436
Schnürer begründete sein Pensionsgesuch mit seinem gesundheitlichen
Zustand und griff dabei auf die doppelte Anrechnung der Kriegsjahre laut
Allerhöchster Entschließung vom 20. November 1918 zurück, aufgrund wel-
cher er 38 ¾ Dienstjahre vorweisen konnte. Als Grund für das Ansuchen
gab er in erster Linie die schweren Erkrankungen der letzten Jahre und die
dadurch notwendige Schonung an. Schnürer konnte als Bibliotheksbeamter
eine der längsten Dienstzeiten in der Fideikommissbibliothek vorweisen.437
Da er 1884 in den Bibliotheksdienst eingetreten war, hatte er über 34 Jahre
die Entwicklung der Bibliothek bis zum Ende der Monarchie miterlebt und
auf sie eingewirkt.
„Endlich im Jahr 1906 war es mir, der ich kurz zuvor mit der Leitung des Insti-
tuts betraut worden war, vergönnt, die reichen Schätze der Bibliothek aus lan-
ger Verborgenheit ans Licht zu ziehen und sie in den jetzigen Räumlichkeiten
zur Aufstellung zu bringen, wo sie erst die verdiente Geltung und Verwertung
finden konnten. Damit war auch die Möglichkeit gegeben, wissenschaftliche
Arbeiten im weitesten Umfange zu unterstützen, in einer Reihe von Werken
finden sich Worte des Dankes niedergelegt für wertvolle Förderung durch das
Entgegenkommen, das die Verfasser in der Fideikommissbibliothek gefunden
haben, ja einzelne Forscher bezeugen direkt (so der österreichische Historiker
Dr. Richard von Kralik […]), daß sie ihre Arbeiten ohne die Beihülfe der Fidei-
kommissbibliothek kaum durchzuführen vermocht hätten.“ 438
Schnürer verkennt bei dieser Einschätzung, dass die Bibliothek bis 1918 nur
für einen äußerst kleinen Personenkreis zugänglich war, der in erster Linie
aus dem Hofpersonal, dem Personal der Generaldirektion und befreunde-
ten Forschern und Schriftstellern bestand.439 Nach dem Ende der Monarchie
stellte sich nun umso mehr die Frage nach der künftigen Funktion der Bib-
liothek, die Bereitstellung der Sammlungsobjekte für die Öffentlichkeit und
die generelle Verwendung einer Sammlung, die ihre ursprüngliche Identität
verloren hatte.
436 Ebendort.
437 Schnürer erhielt eine monatliche Pension in der Höhe von 1.210 K und 41 h. samt Teue-
rungszulage von 82 K. Vgl. Wien, ÖNB, BAG, EZ 3040, Nachlass Franz Schnürer, Box 31,
Korrespondenz 1919, Quittungen über die erfolgte Pensionsauszahlung 1919.
438 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 1023/1919, fol. 3r.
439 Auf die Problematik der Auslegung Schnürers, ob die Fideikommissbibliothek eine öffentli-
che oder private Anstalt sei, wurde bereits hingewiesen, vgl. Anm. 256.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken