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dagegen mit besonderem Stolz zu betrachten.
Ich weiß, daß Sie mich schon längst unterbrechen wollten, um mir zuzurufen: Genug der
Ungeheuerlichkeiten! Die Stuhlentleerung soll eine Quelle der sexuellen Lustbefriedigung sein,
die schon der Säugling ausbeutet! Der Kot eine wertvolle Substanz, der After eine Art von
Genitale! Das glauben wir nicht, aber wir verstehen, warum Kinderärzte und Pädagogen die
Psychoanalyse und ihre Resultate weit von sich weg gewiesen haben. Nein, meine Herren! Sie
haben bloß vergessen, daß ich Ihnen die Tatsachen des infantilen Sexuallebens im
Zusammenhang mit den Tatsachen der sexuellen Perversionen vorführen wollte. Warum sollen
Sie nicht wissen, daß der After bei einer großen Anzahl von Erwachsenen, Homosexuellen wie
Heterosexuellen, wirklich im Geschlechtsverkehr die Rolle der Scheide übernimmt? Und daß es
viele Individuen gibt, welche die Wollustempfindung bei der Stuhlentleerung durch ihr ganzes
Leben behalten und sie als gar nicht so gering beschreiben? Was das Interesse am Akt der
Defäkation und das Vergnügen beim Zuschauen der Defäkation eines anderen betrifft, so können
Sie es von den Kindern selbst bestätigt hören, wenn sie einige Jahre älter geworden sind und
Mitteilung davon machen können. Natürlich dürfen Sie diese Kinder nicht vorher systematisch
eingeschüchtert haben, sonst verstehen sie wohl, daß sie darüber zu schweigen haben. Und für die
anderen Dinge, die Sie nicht glauben wollen, verweise ich Sie auf die Ergebnisse der Analyse
und der direkten Kinderbeobachtung und sage Ihnen, es ist geradezu eine Kunst, dies alles nicht
oder es anders zu sehen. Ich habe auch gar nichts dagegen, wenn Ihnen die Verwandtschaft der
kindlichen Sexualität mit den sexuellen Perversionen recht auffällig wird. Es ist eigentlich
selbstverständlich; wenn das Kind überhaupt ein Sexualleben hat, so muß es von perverser Art
sein, denn dem Kinde fehlt noch bis auf wenige dunkle Andeutungen, was die Sexualität zur
Fortpflanzungsfunktion macht. Anderseits ist es der gemeinsame Charakter aller Perversionen,
daß sie das Fortpflanzungsziel aufgegeben haben. In dem Falle heißen wir eine Sexualbetätigung
eben pervers, wenn sie auf das Fortpflanzungsziel verzichtet hat und die Lustgewinnung als
davon unabhängiges Ziel verfolgt. Sie verstehen also, der Bruch und Wendepunkt in der
Entwicklung des Sexuallebens liegt in der Unterordnung desselben unter die Absichten der
Fortpflanzung. Alles was vor dieser Wendung vorfällt, ebenso alles, was sich ihr entzogen hat,
was allein dem Lustgewinn dient, wird mit dem nicht ehrenvollen Namen des »Perversen« belegt
und als solches geächtet.
Lassen Sie mich darum in meiner knappen Schilderung der infantilen Sexualität fortfahren. Was
ich von zwei Organsystemen berichtet habe, könnte ich durch die Berücksichtigung der anderen
vervollständigen. Das Sexualleben des Kindes erschöpft sich eben in der Betätigung einer Reihe
von Partialtrieben, die unabhängig voneinander teils am eigenen Körper teils schon am äußeren
Objekt Lust zu gewinnen suchen. Unter diesen Organen treten die Genitalien sehr bald hervor; es
gibt Menschen, bei denen sich die Lustgewinnung am eigenen Genitale, ohne Beihilfe eines
anderen Genitales oder Objekts, ohne Unterbrechung von der Säuglingsonanie bis zur Notonanie
der Pubertätsjahre fortsetzt und dann unbestimmt lange darüber hinaus anhält. Mit dem Thema
der Onanie würden wir übrigens nicht so bald fertig werden; es ist ein Stoff für vielseitige
Betrachtung.
Trotz meiner Neigung, das Thema noch weiter zu verkürzen, muß ich Ihnen doch noch einiges
über die Sexualforschung der Kinder sagen. Sie ist zu charakteristisch für die kindliche Sexualität
und zu bedeutsam für die Symptomatik der Neurosen. Die infantile Sexualforschung beginnt sehr
früh, manchmal vor dem dritten Lebensjahr. Sie knüpft nicht an den Geschlechtsunterschied an,
der dem Kinde nichts besagt, da es – wenigstens die Knaben – beiden Geschlechtern das
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin