Seite - 396 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Nasenschleimhaut erregen. Wir können im Schlaf durch ungewollte Bewegungen einzelne
Körperteile entblößen und so der Abkühlungsempfindung aussetzen oder durch Lageveränderung
uns selbst Druck- und Berührungsempfindungen erzeugen. Es kann uns eine Fliege stechen, oder
ein kleiner nächtlicher Unfall kann mehrere Sinne zugleich bestürmen. Die Aufmerksamkeit der
Beobachter hat eine ganze Reihe von Träumen gesammelt, in welchen der beim Erwachen
konstatierte Reiz und ein Stück des Trauminhalts so weit übereinstimmten, daß der Reiz als
Traumquelle erkannt werden konnte.
Eine Sammlung solcher auf objektive – mehr oder minder akzidentelle – Sinnesreizung
zurückgehender Träume führe ich hier nach Jessen (1855, 527 f.) an: »Jedes undeutlich
wahrgenommene Geräusch erweckt entsprechende Traumbilder, das Rollen des Donners versetzt
uns mitten in eine Schlacht, das Krähen eines Hahns kann sich in das Angstgeschrei eines
Menschen verwandeln, das Knarren einer Tür Träume von räuberischen Einbrüchen
hervorrufen.«
»Wenn wir des Nachts unsere Bettdecke verlieren, so träumen wir vielleicht, daß wir nackt
umhergehen oder daß wir ins Wasser gefallen sind. Wenn wir schräg im Bett liegen und die Füße
über den Rand desselben herauskommen, so träumt uns vielleicht, daß wir am Rande eines
schrecklichen Abgrundes stehen oder daß wir von einer steilen Höhe hinabstürzen. Kommt unser
Kopf zufällig unter das Kopfkissen, so hängt ein großer Felsen über uns und steht im Begriff, uns
unter seiner Last zu begraben. Anhäufungen des Samens erzeugen wollüstige Träume, örtliche
Schmerzen die Idee erlittener Mißhandlungen, feindlicher Angriffe oder geschehender
Körperverletzungen…«
»Meier (1758, 33) träumte einmal, daß er von einigen Personen überfallen würde, welche ihn der
Länge nach auf den Rücken auf die Erde hinlegten und ihm zwischen die große und die nächste
Zehe einen Pfahl in die Erde schlugen. Indem er sich dies im Traum vorstellte, erwachte er und
fühlte, daß ihm ein Strohhalm zwischen den Zehen stecke. Demselben soll nach Hennings (1784,
258) ein anderes Mal, als er sein Hemd am Halse etwas fest zusammengesteckt hatte, geträumt
haben, daß er gehenkt würde. Hoffbauer träumte in seiner Jugend, von einer hohen Mauer
hinabzufallen, und bemerkte beim Erwachen, daß die Bettstelle auseinandergegangen und daß er
wirklich gefallen war… Gregory berichtet, er habe einmal beim Zubettegehen eine Flasche mit
heißem Wasser an die Füße gelegt und darauf im Traum eine Reise auf die Spitze des Ätna
gemacht, wo er die Hitze des Erdbodens fast unerträglich gefunden. Ein anderer träumte nach
einem auf den Kopf gelegten Blasenpflaster, daß er von einem Haufen von Indianern skalpiert
werde; ein dritter, der in einem feuchten Hemde schlief, glaubte durch einen Strom gezogen zu
werden. Ein im Schlaf eintretender Anfall von Podagra ließ einen Kranken glauben, er sei in den
Händen der Inquisition und erdulde die Qualen der Folter (Macnish).«
Das auf die Ähnlichkeit zwischen Reiz und Trauminhalt gegründete Argument läßt eine
Verstärkung zu, wenn es gelingt, bei einem Schlafenden durch planmäßige Anbringung von
Sinnesreizen dem Reiz entsprechende Träume zu erzeugen. Solche Versuche hat nach Macnish
schon Girou de Buzareingues angestellt. »Er ließ seine Knie unbedeckt und träumte, daß er in der
Nacht auf einem Postwagen reise. Er bemerkt dabei, daß Reisende wohl wissen würden, wie in
einer Kutsche die Knie des Nachts kalt würden. Ein anderes Mal ließ er den Kopf hinten
unbedeckt und träumte, daß er einer religiösen Zeremonie in freier Luft beiwohne. Es war
nämlich in dem Lande, in welchem er lebte, Sitte, den Kopf stets bedeckt zu tragen,
ausgenommen bei solchen Veranlassungen wie die eben genannte.«
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin