Seite - 397 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Maury (1878) teilt neue Beobachtungen von an ihm selbst erzeugten Träumen mit. (Eine Reihe
anderer Versuche brachte keinen Erfolg.)
1) Er wird an Lippen und Nasenspitze mit einer Feder gekitzelt. – Träumt von einer
schrecklichen Tortur; eine Pechlarve wird ihm aufs Gesicht gelegt, dann weggerissen, so daß die
Haut mitgeht.
2) Man wetzt eine Schere an einer Pinzette. – Er hört Glocken läuten, dann Sturmläuten und ist in
die Junitage des Jahres 1848 versetzt.
3) Man läßt ihn Kölnerwasser riechen. – Er ist in Kairo im Laden von Johann Maria Farina.
Daran schließen sich tolle Abenteuer, die er nicht reproduzieren kann.
4) Man kneipt ihn leicht in den Nacken. – Er träumt, daß man ihm ein Blasenpflaster auflegt, und
denkt an einen Arzt, der ihn als Kind behandelt hat.
5) Man nähert ein heißes Eisen seinem Gesicht. Er träumt von den »Heizern«[7], die sich ins Haus
eingeschlichen haben und die Bewohner zwingen, ihr Geld herauszugeben, indem sie ihnen die
Füße ins Kohlenbecken stecken. Dann tritt die Herzogin von Abrantès auf, deren Sekretär er im
Traume ist.
8) Man gießt ihm einen Tropfen Wasser auf die Stirne. – Er ist in Italien, schwitzt heftig und
trinkt den weißen Wein von Orvieto.
9) Man läßt wiederholt durch ein rotes Papier das Licht einer Kerze auf ihn fallen. – Er träumt
vom Wetter, von Hitze und befindet sich wieder in einem Seesturm, den er einmal auf dem Kanal
La Manche mitgemacht.
Andere Versuche, Träume experimentell zu erzeugen, rühren von d’Hervey, Weygandt (1893)
u. a. her.
Von mehreren Seiten ist die »auffällige Fertigkeit des Traumes bemerkt worden, plötzliche
Eindrücke aus der Sinneswelt dergestalt in seine Gebilde zu verweben, daß sie in diesen eine
allmählich schon vorbereitete und eingeleitete Katastrophe bilden« (Hildebrandt, 1875). »In
jüngeren Jahren«, erzählt dieser Autor, »bediente ich mich zuzeiten, um regelmäßig in
bestimmter Morgenstunde aufzustehen, des bekannten, meist an Uhrwerken angebrachten
Weckers. Wohl zu hundertmalen ist mirs begegnet, daß der Ton dieses Instrumentes in einen
vermeintlich sehr langen und zusammenhängenden Traum dergestalt hineinpaßte, als ob dieser
ganze Traum eben nur auf ihn angelegt sei und in ihm seine eigentliche logisch unentbehrliche
Pointe, sein natürlich gewiesenes Endziel fände.«
Ich werde drei dieser Weckerträume noch in anderer Absicht zitieren.
Volkelt (1875, 108 f.) erzählt: »Einem Komponisten träumte einmal, er halte Schule und wolle
eben seinen Schülern etwas klarmachen. Schon ist er damit fertig und wendet sich an einen der
Knaben mit der Frage: ›Hast du mich verstanden?‹ Dieser schreit wie ein Besessener: ›Oh
ja.‹Ungehalten hierüber verweist er ihm das Schreien. Doch schon schreit die ganze Klasse:
›Orja.‹ Hierauf: ›Eurjo.‹ Und endlich: ›Feuerjo.‹ Und nun erwacht er von wirklichem
Feuerjogeschrei auf der Straße.«
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin