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werden[63].
c) Ein oder mehrere rezente und bedeutsame Erlebnisse, die im Trauminhalt durch die
Erwähnung eines gleichzeitigen, aber indifferenten Erlebnisses vertreten werden[64].
d) Ein inneres bedeutsames Erlebnis (Erinnerung, Gedankengang), welches dann im Traume
regelmäßig durch die Erwähnung eines rezenten, aber indifferenten Eindruckes vertreten wird[65].
Wie man sieht, wird für die Traumdeutung durchwegs die Bedingung festgehalten, daß ein
Bestandteil des Trauminhalts einen rezenten Eindruck des Vortages wiederholt. Dieser zur
Vertretung im Traume bestimmte Anteil kann entweder dem Vorstellungskreise des eigentlichen
Traumerregers selbst angehören – und zwar entweder als wesentlicher oder als unwichtiger
Bestandteil desselben –, oder er rührt aus dem Bereiche eines indifferenten Eindruckes her, der
durch mehr oder minder reichliche Verknüpfung mit dem Kreis des Traumerregers in Beziehung
gebracht worden ist. Die scheinbare Mehrheit der Bedingungen kommt hier nur durch die
Alternative zustande, daß eine Verschiebung unterblieben oder vorgefallen ist, und wir merken
hier, daß diese Alternative uns dieselbe Leichtigkeit bietet, die Kontraste des Traumes zu
erklären, wie der medizinischen Theorie des Traumes die Reihe vom partiellen bis zum vollen
Wachen der Gehirnzellen (vgl. S. 98 ff.).
Man bemerkt an dieser Reihe ferner, daß das psychisch wertvolle, aber nicht rezente Element
(der Gedankengang, die Erinnerung) für die Zwecke der Traumbildung durch ein rezentes, aber
psychisch indifferentes Element ersetzt werden kann, wenn dabei nur die beiden Bedingungen
eingehalten werden, daß 1) der Trauminhalt eine Anknüpfung an das rezent Erlebte erhält; 2) der
Traumerreger ein psychisch wertvoller Vorgang bleibt. In einem einzigen Falle (a) werden beide
Bedingungen durch denselben Eindruck erfüllt. Zieht man noch in Erwägung, daß dieselben
indifferenten Eindrücke, welche für den Traum verwertet werden, solange sie rezent sind, diese
Eignung einbüßen, sobald sie einen Tag (oder höchstens mehrere) älter geworden sind, so muß
man sich zur Annahme entschließen, daß die Frische eines Eindruckes ihm an sich einen
gewissen psychischen Wert für die Traumbildung verleiht, welcher der Wertigkeit affektbetonter
Erinnerungen oder Gedankengänge irgendwie gleichkommt. Wir werden erst bei späteren
psychologischen Überlegungen erraten können, worin dieser Wert rezenter Eindrücke für die
Traumbildung begründet sein kann[66].
Nebenbei wird hier unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß zur Nachtzeit und von unserem
Bewußtsein unbemerkt wichtige Veränderungen mit unserem Erinnerungs- und
Vorstellungsmaterial vor sich gehen können. Die Forderung, eine Nacht über eine Angelegenheit
zu schlafen, ehe man sich endgültig über sie entscheidet, ist offenbar vollberechtigt. Wir merken
aber, daß wir an diesem Punkte aus der Psychologie des Träumens in die des Schlafens
übergegriffen haben, ein Schritt, zu welchem sich der Anlaß noch öfter ergeben wird[67].
Es gibt nun einen Einwand, welcher die letzten Schlußfolgerungen umzustoßen droht. Wenn
indifferente Eindrücke nur, solange sie rezent sind, in den Trauminhalt gelangen können, wie
kommt es, daß wir im Trauminhalt auch Elemente aus früheren Lebensperioden vorfinden, die
zur Zeit, da sie rezent waren – nach Strümpells Worten –, keinen psychischen Wert besaßen, also
längst vergessen sein sollten, Elemente also, die weder frisch noch psychisch bedeutsam sind?
Dieser Einwand ist voll zu erledigen, wenn man sich auf die Ergebnisse der Psychoanalyse bei
Neurotikern stützt. Die Lösung lautet nämlich, daß die Verschiebung, welche das psychisch
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin