Seite - 552 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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bei Hysterie und Zwangsvorstellungen nicht vermißt werden. Die Sprachkünste der Kinder, die
zu gewissen Zeiten die Worte tatsächlich wie Objekte behandeln, auch neue Sprachen und
artifizielle Wortfügungen erfinden, sind für den Traum wie für die Psychoneurosen hier die
gemeinsame Quelle.
Die Analyse unsinniger Wortbildungen im Traume ist besonders dazu geeignet, die
Verdichtungsleistung der Traumarbeit aufzuzeigen. Man möge aus der hier verwendeten geringen
Auswahl von Beispielen nicht den Schluß ziehen, daß solches Material selten oder gar nur
ausnahmsweise zur Beobachtung kommt. Es ist vielmehr sehr häufig, allein die Abhängigkeit der
Traumdeutung von der psychoanalytischen Behandlung hat die Folge, daß die wenigsten
Beispiele angemerkt und mitgeteilt werden und daß die mitgeteilten Analysen meist nur für den
Kenner der Neurosenpathologie verständlich sind. So ein Traum von Dr. v. Karpinska (1914), der
die sinnlose Wortbildung »Svingnum elvi« enthält. Erwähnenswert ist noch der Fall, daß im
Traum ein an sich nicht bedeutungsloses Wort erscheint, das aber, seiner eigentlichen Bedeutung
entfremdet, verschiedene andere Bedeutungen zusammenfaßt, zu denen es sich wie ein
»sinnloses« Wort verhält. Dies ist in dem Traum von der »Kategorie« eines zehnjährigen Knaben
der Fall, den V. Tausk (1913) mitteilt. »Kategorie« bedeutet hier das weibliche Genitale und
»kategorieren« soviel wie urinieren.
Wo in einem Traum Reden vorkommen, die ausdrücklich als solche von Gedanken unterschieden
werden, da gilt als ausnahmslose Regel, daß Traumrede von erinnerter Rede im Traummaterial
abstammt. Der Wortlaut der Rede ist entweder unversehrt erhalten oder leise im Ausdruck
verschoben; häufig ist die Traumrede aus verschiedenen Redeerinnerungen zusammengestückelt;
der Wortlaut dabei das sich Gleichgebliebene, der Sinn womöglich mehr- oder andersdeutig
verändert. Die Traumrede dient nicht selten als bloße Anspielung auf das Ereignis, bei dem die
erinnerte Rede vorfiel[119].
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin