Seite - 564 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Zusammensetzung es ermöglichen. Sind die Objekte, welche zu einer Einheit verdichtet werden
sollen, gar zu disparat, so begnügt sich die Traumarbeit oft damit, ein Mischgebilde mit einem
deutlicheren Kern zu schaffen, an den sich undeutlichere Bestimmungen anfügen. Die
Vereinigung zu einem Bilde ist hier gleichsam nicht gelungen; die beiden Darstellungen
überdecken einander und erzeugen etwas wie einen Wettstreit der visuellen Bilder. Wenn man
sich die Bildung eines Begriffes aus individuellen Wahrnehmungsbildern vorführen wollte,
könnte man zu ähnlichen Darstellungen in einer Zeichnung gelangen.
Es wimmelt natürlich in den Träumen von solchen Mischgebilden; einige Beispiele habe ich in
den bisher analysierten Träumen bereits mitgeteilt; ich werde nun weitere hinzufügen. In dem
Traum auf S. 313
f., welcher den Lebenslauf der Patientin »durch die Blume« oder »verblümt«
beschreibt, trägt das Traum-Ich einen blühenden Zweig in der Hand, der, wie wir erfahren haben,
gleichzeitig Unschuld und sexuelle Sündigkeit bedeutet. Der Zweig erinnert durch die Art, wie
die Blüten stehen, außerdem an Kirschblüten; die Blüten selbst, einzeln genommen, sind
Kamelien, wobei dazu das Ganze noch den Eindruck eines exotischen Gewächses macht. Das
Gemeinsame an den Elementen dieses Mischgebildes ergibt sich aus den Traumgedanken. Der
blühende Zweig ist aus Anspielungen an Geschenke zusammengesetzt, durch welche sie
bewogen wurde oder werden sollte, sich gefällig zu erweisen. So in der Kindheit die Kirschen, in
späteren Jahren ein Kamelienstock; das Exotische ist eine Anspielung auf einen vielgereisten
Naturforscher, welcher mit einer Blumenzeichnung um ihre Gunst werben wollte. Eine andere
Patientin schafft sich im Traum ein Mittelding aus Badekabinen im Seebad, ländlichen
Aborthäuschen und den Bodenkammern unserer städtischen Wohnhäuser. Den beiden ersten
Elementen ist die Beziehung auf menschliche Nacktheit und Entblößung gemeinsam; es läßt sich
aus der Zusammensetzung mit dem dritten Element schließen, daß (in ihrer Kindheit) auch die
Bodenkammer der Schauplatz von Entblößung war. Ein Träumer schafft sich eine Mischlokalität
aus zwei Örtlichkeiten, in denen »Kur« gemacht wird, aus meinem Ordinationszimmer und dem
öffentlichen Lokal, in dem er zuerst seine Frau kennengelernt hat. Ein Mädchen träumt, nachdem
der ältere Bruder versprochen hat, sie mit Kaviar zu regalieren, von diesem Bruder, daß dessen
Beine von den schwarzen Kaviarperlen übersät sind. Die Elemente »Ansteckung« im
moralischen Sinn und die Erinnerung an einen Ausschlag der Kindheit, der die Beine mit roten
anstatt mit schwarzen Pünktchen übersät erscheinen ließ, haben sich hier mit den Kaviarperlen zu
einem neuen Begriff vereinigt, dessen, »was sie von ihrem Bruder bekommen hat«. Teile des
menschlichen Körpers werden in diesem Traum behandelt wie Objekte, wie auch in sonstigen
Träumen. In einem von Ferenczi mitgeteilten Traume kam ein Mischgebilde vor, das aus der
Person eines Arztes und aus einem Pferde zusammengesetzt war und überdies ein Nachthemd
anhatte. Das Gemeinsame dieser drei Bestandteile ergab sich aus der Analyse, nachdem das
Nachthemd als Anspielung auf den Vater der Träumerin in einer Kindheitsszene erkannt war. Es
handelte sich in allen drei Fällen um Objekte ihrer geschlechtlichen Neugierde. Sie war als Kind
von ihrer Kindsfrau öfters in das militärische Gestüt mitgenommen worden, wo sie Gelegenheit
hatte, ihre – damals noch ungehemmte – Neugierde ausgiebig zu befriedigen.
Ich habe vorhin behauptet, daß der Traum kein Mittel hat, die Relation des Widerspruches,
Gegensatzes, das »Nein« auszudrücken. Ich gehe daran, dieser Behauptung zum ersten Male zu
widersprechen. Ein Teil der Fälle, die sich als »Gegensatz« zusammenfassen lassen, findet seine
Darstellung einfach durch Identifizierung, wie wir gesehen haben, wenn nämlich mit der
Gegenüberstellung ein Vertauschen, an die Stelle setzen, verbunden werden kann. Davon haben
wir wiederholt Beispiele erwähnt. Ein anderer Teil der Gegensätze in den Traumgedanken, der
etwa unter die Kategorie »Umgekehrt, im Gegenteile« fällt, gelangt zu seiner Darstellung im
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin