Seite - 575 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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in eine andere Form kann sich aber gleichzeitig in den Dienst der Verdichtungsarbeit stellen und
Beziehungen zu einem anderen Gedanken schaffen, die sonst nicht vorhanden wären. Dieser
andere Gedanke mag etwa selbst zum Zwecke des Entgegenkommens vorher seinen
ursprünglichen Ausdruck verändert haben.
Herbert Silberer (1909) hat einen guten Weg gezeigt, wie man die bei der Traumbildung vor sich
gehende Umsetzung der Gedanken in Bilder direkt beobachten und somit dies eine Moment der
Traumarbeit isoliert studieren kann. Wenn er sich im Zustande der Ermüdung und
Schlaftrunkenheit eine Denkanstrengung auferlegte, so ereignete es sich ihm häufig, daß der
Gedanke entschlüpfte und dafür ein Bild auftrat, in dem er nun den Ersatz des Gedankens
erkennen konnte. Silberer nennt diesen Ersatz nicht ganz zweckmäßig einen »autosymbolischen«.
Ich gebe hier einige Beispiele aus der Arbeit von Silberer wieder, auf welche ich wegen gewisser
Eigenschaften der beobachteten Phänomene noch an anderer Stelle zurückkommen werde.
»Beispiel Nr. 1. Ich denke daran, daß ich vorhabe, in einem Aufsatze eine holprige Stelle
auszubessern.
Symbol: Ich sehe mich ein Stück Holz glatthobeln.«
»Beispiel Nr. 5. Ich suche mir den Zweck gewisser metaphysischer Studien, die ich eben zu
betreiben vorhabe, zu vergegenwärtigen. Dieser Zweck besteht darin, so denke ich mir, daß man
sich auf der Suche nach den Daseinsgründen zu immer höheren Bewußtseinsformen oder
Daseinsschichten durcharbeitet.
Symbol: Ich fahre mit einem langen Messer unter eine Torte, wie um ein Stück davon zu nehmen.
Deutung: Meine Bewegung mit dem Messer bedeutet das ›Durcharbeiten‹, von dem die Rede
ist… Die Erklärung des Symbolgrundes ist die folgende: Es fällt mir bei Tisch hie und da das
Zerschneiden und Vorlegen einer Torte zu, ein Geschäft, welches ich mit einem langen,
biegsamen Messer verrichte, was einige Sorgfalt erheischt. Insbesondere ist das reinliche
Herausheben der geschnittenen Tortenteile mit gewissen Schwierigkeiten verbunden; das Messer
muß behutsam unter die betreffenden Stücke geschoben werden (das langsame ›Durcharbeiten‹,
um zu den Gründen zu gelangen). Es liegt aber noch mehr Symbolik in dem Bild. Die Torte des
Symbols war nämlich eine Dobos-Torte, also eine Torte, bei welcher das schneidende Messer
durch verschiedene Schichten zu dringen hat (die Schichten des Bewußtseins und Denkens).«
»Beispiel Nr. 9. Ich verliere in einem Gedankengang den Faden. Ich gebe mir Mühe, ihn
wiederzufinden, muß aber erkennen, daß mir der Anknüpfungspunkt vollends entfallen ist.
Symbol: Ein Stück Schriftsatz, dessen letzte Zeilen herausgefallen sind.«
Angesichts der Rolle, welche Witzworte, Zitate, Lieder und Sprichwörter im Gedankenleben der
Gebildeten spielen, wäre es vollkommen der Erwartung gemäß, wenn Verkleidungen solcher Art
überaus häufig für Darstellung der Traumgedanken verwendet werden wollten. Was bedeuten
z. B. im Traume Wagen, von denen jeder mit anderem Gemüse angefüllt ist? Es ist der
Wunschgegensatz von »Kraut und Rüben«, also »Durcheinander«, und bedeutet demnach
»Unordnung«. Ich habe mich gewundert, daß mir dieser Traum nur ein einziges Mal berichtet
worden ist[134]. Nur für wenige Materien hat sich eine allgemein gültige Traumsymbolik
herausgebildet, auf Grund allgemein bekannter Anspielungen und Wortersetzungen. Ein gutes
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin