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mechanischer Kräfte entsprechen kann. Das Studium der Triebquellen gehört der Psychologie
nicht mehr an; obwohl die Herkunft aus der somatischen Quelle das schlechtweg Entscheidende
für den Trieb ist, wird er uns im Seelenleben doch nicht anders als durch seine Ziele bekannt. Die
genauere Erkenntnis der Triebquellen ist für die Zwecke der psychologischen Forschung nicht
durchwegs erforderlich. Manchmal ist der Rückschluß aus den Zielen des Triebes auf dessen
Quellen gesichert.
Soll man annehmen, daß die verschiedenen aus dem Körperlichen stammenden, auf das Seelische
wirkenden Triebe auch durch verschiedene Qualitäten ausgezeichnet sind und darum in qualitativ
verschiedener Art sich im Seelenleben benehmen? Es scheint nicht gerechtfertigt; man reicht
vielmehr mit der einfacheren Annahme aus, daß die Triebe alle qualitativ gleichartig sind und
ihre Wirkung nur den Erregungsgrößen, die sie führen, verdanken, vielleicht noch gewissen
Funktionen dieser Quantität. Was die psychischen Leistungen der einzelnen Triebe voneinander
unterscheidet, läßt sich auf die Verschiedenheit der Triebquellen zurückführen. Es kann
allerdings erst in einem späteren Zusammenhange klargelegt werden, was das Problem der
Triebqualität bedeutet.
Welche Triebe darf man aufstellen und wie viele? Dabei ist offenbar der Willkür ein weiter
Spielraum gelassen. Man kann nichts dagegen einwenden, wenn jemand den Begriff eines
Spieltriebes, Destruktionstriebes, Geselligkeitstriebes in Anwendung bringt, wo der Gegenstand
es fordert und die Beschränkung der psychologischen Analyse es zuläßt. Man sollte aber die
Frage nicht außer acht lassen, ob diese einerseits so sehr spezialisierten Triebmotive nicht eine
weitere Zerlegung in der Richtung nach den Triebquellen gestatten, so daß nur die weiter nicht
zerlegbaren Urtriebe eine Bedeutung beanspruchen können.
Ich habe vorgeschlagen, von solchen Urtrieben zwei Gruppen zu unterscheiden, die der Ich- oder
Selbsterhaltungstriebe und die der Sexualtriebe. Dieser Aufstellung kommt aber nicht die
Bedeutung einer notwendigen Voraussetzung zu, wie z.
B. der Annahme über die biologische
Tendenz des seelischen Apparates (s. oben); sie ist eine bloße Hilfskonstruktion, die nicht länger
festgehalten werden soll, als sie sich nützlich erweist, und deren Ersetzung durch eine andere an
den Ergebnissen unserer beschreibenden und ordnenden Arbeit wenig ändern wird. Der Anlaß zu
dieser Aufstellung hat sich aus der Entwicklungsgeschichte der Psychoanalyse ergeben, welche
die Psychoneurosen, und zwar die als »Übertragungsneurosen« zu bezeichnende Gruppe
derselben (Hysterie und Zwangsneurose), zum ersten Objekt nahm und an ihnen zur Einsicht
gelangte, daß ein Konflikt zwischen den Ansprüchen der Sexualität und denen des Ichs an der
Wurzel jeder solchen Affektion zu finden sei. Es ist immerhin möglich, daß ein eindringendes
Studium der anderen neurotischen Affektionen (vor allem der narzißtischen Psychoneurosen: der
Schizophrenien) zu einer Abänderung dieser Formel und somit zu einer anderen Gruppierung der
Urtriebe nötigen wird. Aber gegenwärtig kennen wir diese neue Formel nicht und haben auch
noch kein Argument gefunden, welches der Gegenüberstellung von Ich- und Sexualtrieben
ungünstig wäre.
Es ist mir überhaupt zweifelhaft, ob es möglich sein wird, auf Grund der Bearbeitung des
psychologischen Materials entscheidende Winke zur Scheidung und Klassifizierung der Triebe
zu gewinnen. Es erscheint vielmehr notwendig, zum Zwecke dieser Bearbeitung bestimmte
Annahmen über das Triebleben an das Material heranzubringen, und es wäre wünschenswert, daß
man diese Annahmen einem anderen Gebiete entnehmen könnte, um sie auf die Psychologie zu
übertragen. Was die Biologie hiefür leistet, läuft der Sonderung von Ich- und Sexualtrieben
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin