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ihm auffindet, oder er kommt als irgendwie qualitativ gefärbter Affekt zum Vorschein, oder er
wird in Angst verwandelt. Die beiden letzteren Möglichkeiten stellen uns die Aufgabe, die
Umsetzung der psychischen Energien der Triebe in Affekte und ganz besonders in Angst als neues
Triebschicksal ins Auge zu fassen.
Wir erinnern uns, daß Motiv und Absicht der Verdrängung nichts anderes als die Vermeidung
von Unlust war. Daraus folgt, daß das Schicksal des Affektbetrags der Repräsentanz bei weitem
wichtiger ist als das der Vorstellung und daß dies über die Beurteilung des
Verdrängungsvorganges entscheidet. Gelingt es einer Verdrängung nicht, die Entstehung von
Unlustempfindungen oder Angst zu verhüten, so dürfen wir sagen, sie sei mißglückt, wenngleich
sie ihr Ziel an dem Vorstellungsanteil erreicht haben mag. Natürlich wird die mißglückte
Verdrängung mehr Anspruch auf unser Interesse erheben als die etwa geglückte, die sich zumeist
unserem Studium entziehen wird.
Wir wollen nun Einblick in den Mechanismus des Verdrängungsvorganges gewinnen und vor
allem wissen, ob es nur einen einzigen Mechanismus der Verdrängung gibt oder mehrere und ob
vielleicht jede der Psychoneurosen durch einen ihr eigentümlichen Mechanismus der
Verdrängung ausgezeichnet ist. Zu Beginn dieser Untersuchung stoßen wir aber auf
Komplikationen. Der Mechanismus einer Verdrängung wird uns nur zugänglich, wenn wir aus
den Erfolgen der Verdrängung auf ihn zurückschließen. Beschränken wir die Beobachtung auf
die Erfolge an dem Vorstellungsanteil der Repräsentanz, so erfahren wir, daß die Verdrängung in
der Regel eine Ersatzbildung schafft. Welches ist nun der Mechanismus einer solchen
Ersatzbildung, oder gibt es hier auch mehrere Mechanismen zu unterscheiden? Wir wissen auch,
daß die Verdrängung Symptome hinterläßt. Dürfen wir nun Ersatzbildung und Symptombildung
zusammenfallen lassen, und wenn dies im ganzen angeht, deckt sich der Mechanismus der
Symptombildung mit dem der Verdrängung? Die vorläufige Wahrscheinlichkeit scheint dafür zu
sprechen, daß beide weit auseinandergehen, daß es nicht die Verdrängung selbst ist, welche
Ersatzbildungen und Symptome schafft, sondern daß diese letzteren als Anzeichen einer
Wiederkehr des Verdrängten ganz anderen Vorgängen ihr Entstehen verdanken. Es scheint sich
auch zu empfehlen, daß man die Mechanismen der Ersatz- und Symptombildung vor denen der
Verdrängung in Untersuchung ziehe.
Es ist klar, daß die Spekulation hier weiter nichts zu suchen hat, sondern durch die sorgfältige
Analyse der bei den einzelnen Neurosen zu beobachtenden Erfolge der Verdrängung abgelöst
werden muß. Ich muß aber den Vorschlag machen, auch diese Arbeit aufzuschieben, bis wir uns
verläßliche Vorstellungen über das Verhältnis des Bewußten zum Unbewußten gebildet haben.
Nur um die vorliegende Erörterung nicht ganz unfruchtbar ausgehen zu lassen, will ich
vorwegnehmen, daß 1. der Mechanismus der Verdrängung tatsächlich nicht mit dem oder den
Mechanismen der Ersatzbildung zusammenfällt, 2. daß es sehr verschiedene Mechanismen der
Ersatzbildung gibt, und 3. daß den Mechanismen der Verdrängung wenigstens eines gemeinsam
ist, die Entziehung der Energiebesetzung (oder Libido, wenn wir von Sexualtrieben handeln).
Ich will auch unter Einschränkung auf die drei bekanntesten Psychoneurosen an einigen
Beispielen zeigen, wie die hier eingeführten Begriffe auf das Studium der Verdrängung
Anwendung finden. Von der Angsthysterie werde ich das gut analysierte Beispiel einer
Tierphobie wählen. Die der Verdrängung unterliegende Triebregung ist eine libidinöse
Einstellung zum Vater, gepaart mit der Angst vor demselben. Nach der Verdrängung ist diese
Regung aus dem Bewußtsein geschwunden, der Vater kommt als Objekt der Libido nicht darin
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin