Seite - 793 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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aber jetzt tatsächlich dieselbe Vorstellung in zweifacher Form an verschiedenen Stellen seines
seelischen Apparats, erstens hat er die bewußte Erinnerung an die Gehörspur der Vorstellung
durch die Mitteilung, zweitens trägt er daneben, wie wir mit Sicherheit wissen, die unbewußte
Erinnerung an das Erlebte in der früheren Form in sich. In Wirklichkeit tritt nun eine Aufhebung
der Verdrängung nicht eher ein, als bis die bewußte Vorstellung sich nach Überwindung der
Widerstände mit der unbewußten Erinnerungsspur in Verbindung gesetzt hat. Erst durch das
Bewußtmachen dieser letzteren selbst wird der Erfolg erreicht. Damit schiene ja für
oberflächliche Erwägung erwiesen, daß bewußte und unbewußte Vorstellungen verschiedene und
topisch gesonderte Niederschriften des nämlichen Inhaltes sind. Aber die nächste Überlegung
zeigt, daß die Identität der Mitteilung mit der verdrängten Erinnerung des Patienten nur eine
scheinbare ist. Das Gehörthaben und das Erlebthaben sind zwei nach ihrer psychologischen Natur
ganz verschiedene Dinge, auch wenn sie den nämlichen Inhalt haben.
Wir sind also zunächst nicht imstande, zwischen den beiden erörterten Möglichkeiten zu
entscheiden. Vielleicht treffen wir späterhin auf Momente, welche für eine von beiden den
Ausschlag geben können. Vielleicht steht uns die Entdeckung bevor, daß unsere Fragestellung
unzureichend war und daß die Unterscheidung der unbewußten Vorstellung von der bewußten
noch ganz anders zu bestimmen ist.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin