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eines ihm gezeigten oder mit ihm angestellten Spieles zu verlangen, bis dieser erschöpft es
verweigert, und wenn man ihm eine schöne Geschichte erzählt hat, will es immer wieder die
nämliche Geschichte anstatt einer neuen hören, besteht unerbittlich auf der Identität der
Wiederholung und verbessert jede Abänderung, die sich der Erzähler zuschulden kommen läßt,
mit der er sich vielleicht sogar ein neues Verdienst erwerben wollte». Dem Lustprinzip wird
dabei nicht widersprochen; es ist sinnfällig, daß die Wiederholung, das Wiederfinden der
Identität, selbst eine Lustquelle bedeutet. Beim Analysierten hingegen wird es klar, daß der
Zwang, die Begebenheiten seiner infantilen Lebensperiode in der Übertragung zu wiederholen,
sich in jeder Weise über das Lustprinzip hinaussetzt. Der Kranke benimmt sich dabei völlig wie
infantil und zeigt uns so, daß die verdrängten Erinnerungsspuren seiner urzeitlichen Erlebnisse
nicht im gebundenen Zustande in ihm vorhanden, ja gewissermaßen des Sekundärvorganges
nicht fähig sind. Dieser Ungebundenheit verdanken sie auch ihr Vermögen, durch Anheftung an
die Tagesreste eine im Traum darzustellende Wunschphantasie zu bilden. Derselbe
Wiederholungszwang tritt uns so oft als therapeutisches Hindernis entgegen, wenn wir zu Ende
der Kur die völlige Ablösung vom Arzte durchsetzen wollen, und es ist anzunehmen, daß die
dunkle Angst der mit der Analyse nicht Vertrauten, die sich scheuen, irgend etwas aufzuwecken,
was man nach ihrer Meinung besser schlafen ließe, im Grunde das Auftreten dieses dämonischen
Zwanges fürchtet.
Auf welche Art hängt aber das Triebhafte mit dem Zwang zur Wiederholung zusammen? Hier
muß sich uns die Idee aufdrängen, daß wir einem allgemeinen, bisher nicht klar erkannten – oder
wenigstens nicht ausdrücklich betonten – Charakter der Triebe, vielleicht alles organischen
Lebens überhaupt, auf die Spur gekommen sind. Ein Trieb wäre also ein dem belebten
Organischen innewohnender Drang zur Wiederherstellung eines früheren Zustandes, welchen
dies Belebte unter dem Einflusse äußerer Störungskräfte aufgeben mußte, eine Art von
organischer Elastizität, oder wenn man will, die Äußerung der Trägheit im organischen Leben[48].
Diese Auffassung des Triebes klingt befremdlich, denn wir haben uns daran gewöhnt, im Triebe
das zur Veränderung und Entwicklung drängende Moment zu sehen, und sollen nun das gerade
Gegenteil in ihm erkennen, den Ausdruck der konservativen Natur des Lebenden. Anderseits
fallen uns sehr bald jene Beispiele aus dem Tierleben ein, welche die historische Bedingtheit der
Triebe zu bestätigen scheinen. Wenn gewisse Fische um die Laichzeit beschwerliche
Wanderungen unternehmen, um den Laich in bestimmten Gewässern, weit entfernt von ihren
sonstigen Aufenthalten, abzulegen, so haben sie nach der Deutung vieler Biologen nur die
früheren Wohnstätten ihrer Art aufgesucht, die sie im Laufe der Zeit gegen andere vertauscht
hatten. Dasselbe soll für die Wanderflüge der Zugvögel gelten, aber der Suche nach weiteren
Beispielen enthebt uns bald die Mahnung, daß wir in den Phänomenen der Erblichkeit und in den
Tatsachen der Embryologie die großartigsten Beweise für den organischen Wiederholungszwang
haben. Wir sehen, der Keim eines lebenden Tieres ist genötigt, in seiner Entwicklung die
Strukturen all der Formen, von denen das Tier abstammt – wenn auch in flüchtiger Abkürzung –
zu wiederholen, anstatt auf dem kürzesten Wege zu seiner definitiven Gestaltung zu eilen, und
können dies Verhalten nur zum geringsten Teile mechanisch erklären, dürfen die historische
Erklärung nicht beiseite lassen. Und ebenso erstreckt sich weit in die Tierreihe hinauf ein
Reproduktionsvermögen, welches ein verlorenes Organ durch die Neubildung eines ihm durchaus
gleichen ersetzt.
Der naheliegende Einwand, es verhalte sich wohl so, daß es außer den konservativen Trieben, die
zur Wiederholung nötigen, auch andere gibt, die zur Neugestaltung und zum Fortschritt drängen,
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin