Seite - 866 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Bild der Seite - 866 -
Text der Seite - 866 -
Nachstehende Erörterungen setzen Gedankengänge fort, die in meiner Schrift Jenseits des
Lustprinzips (1920) begonnen wurden, denen ich persönlich, wie dort erwähnt ist, mit einer
gewissen wohlwollenden Neugierde gegenüberstand. Sie nehmen diese Gedanken auf,
verknüpfen sie mit verschiedenen Tatsachen der analytischen Beobachtung, suchen aus dieser
Vereinigung neue Schlüsse abzuleiten, machen aber keine neuen Anleihen bei der Biologie und
stehen darum der Psychoanalyse näher als das Jenseits. Sie tragen eher den Charakter einer
Synthese als einer Spekulation und scheinen sich ein hohes Ziel gesetzt zu haben. Ich weiß aber,
daß sie beim Gröbsten haltmachen, und bin mit dieser Beschränkung recht einverstanden.
Dabei rühren sie an Dinge, die bisher noch nicht Gegenstand der psychoanalytischen Bearbeitung
gewesen sind, und können es nicht vermeiden, manche Theorien zu streifen, die von
Nicht-Analytikern oder ehemaligen Analytikern auf ihrem Rückzug von der Analyse aufgestellt
wurden. Ich bin sonst immer bereit gewesen, meine Verbindlichkeiten gegen andere Arbeiter
anzuerkennen, fühle mich aber in diesem Falle durch keine solche Dankesschuld belastet. Wenn
die Psychoanalyse gewisse Dinge bisher nicht gewürdigt hat, so geschah es nie darum, weil sie
deren Leistung übersehen hatte oder deren Bedeutung verleugnen wollte, sondern weil sie einen
bestimmten Weg verfolgt, der noch nicht so weit geführt hatte. Und endlich, wenn sie dahin
gekommen ist, erscheinen ihr auch die Dinge anders als den anderen.
[◀]
866
Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin