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Personen gerichtet werden. Man muß bei diesem Verhalten des Unbewußten an die komisch
verwertete Anekdote denken, daß einer der drei Dorfschneider gehängt werden soll, weil der
einzige Dorfschmied ein todwürdiges Verbrechen begangen hat. Strafe muß eben sein, auch
wenn sie nicht den Schuldigen trifft. Die nämliche Lockerheit haben wir zuerst an den
Verschiebungen des Primärvorganges in der Traumarbeit bemerkt. Wie hier die Objekte, so
wären es in dem uns beschäftigenden Falle die Wege der Abfuhraktion, die erst in zweiter Linie
in Betracht kommen. Dem Ich würde es ähnlich sehen, auf größerer Exaktheit in der Auswahl des
Objekts wie des Weges der Abfuhr zu bestehen.
Wenn diese Verschiebungsenergie desexualisierte Libido ist, so darf sie auch sublimiert heißen,
denn sie würde noch immer an der Hauptabsicht des Eros, zu vereinigen und zu binden,
festhalten, indem sie zur Herstellung jener Einheitlichkeit dient, durch die – oder durch das
Streben nach welcher – das Ich sich auszeichnet. Schließen wir die Denkvorgänge im weiteren
Sinne unter diese Verschiebungen ein, so wird eben auch die Denkarbeit durch Sublimierung
erotischer Triebkraft bestritten.
Hier stehen wir wieder vor der früher berührten Möglichkeit, daß die Sublimierung regelmäßig
durch die Vermittlung des Ichs vor sich geht. Wir erinnern den anderen Fall, daß dies Ich die
ersten und gewiß auch spätere Objektbesetzungen des Es dadurch erledigt, daß es deren Libido
ins Ich aufnimmt und an die durch Identifizierung hergestellte Ichveränderung bindet. Mit dieser
Umsetzung in Ichlibido ist natürlich ein Aufgeben der Sexualziele, eine Desexualisierung,
verbunden. Jedenfalls erhalten wir so Einsicht in eine wichtige Leistung des Ichs in seinem
Verhältnis zum Eros. Indem es sich in solcher Weise der Libido der Objektbesetzungen
bemächtigt, sich zum alleinigen Liebesobjekt aufwirft, die Libido des Es desexualisiert oder
sublimiert, arbeitet es den Absichten des Eros entgegen, stellt sich in den Dienst der gegnerischen
Triebregungen. Einen anderen Anteil der Es-Objektbesetzungen muß es sich gefallen lassen,
sozusagen mitmachen. Auf eine andere mögliche Folge dieser Ichtätigkeit werden wir später zu
sprechen kommen.
An der Lehre vom Narzißmus wäre nun eine wichtige Ausgestaltung vorzunehmen. Zu Uranfang
ist alle Libido im Es angehäuft, während das Ich noch in der Bildung begriffen oder schwächlich
ist. Das Es sendet einen Teil dieser Libido auf erotische Objektbesetzungen aus, worauf das
erstarkte Ich sich dieser Objektlibido zu bemächtigen und sich dem Es als Liebesobjekt
aufzudrängen sucht. Der Narzißmus des Ichs ist so ein sekundärer, den Objekten entzogener.
Immer wieder machen wir die Erfahrung, daß die Triebregungen, die wir verfolgen können, sich
als Abkömmlinge des Eros enthüllen. Wären nicht die im Jenseits des Lustprinzips angestellten
Erwägungen und endlich die sadistischen Beiträge zum Eros, so hätten wir es schwer, an der
dualistischen Grundanschauung festzuhalten. Da wir aber dazu genötigt sind, müssen wir den
Eindruck gewinnen, daß die Todestriebe im wesentlichen stumm sind und der Lärm des Lebens
meist vom Eros ausgeht[87].
Und vom Kampf gegen den Eros! Es ist die Anschauung nicht abzuweisen, daß das Lustprinzip
dem Es als ein Kompaß im Kampf gegen die Libido dient, die Störungen in den Lebensablauf
einführt. Wenn das Konstanz-Prinzip im Sinne Fechners das Leben beherrscht, welches also dann
ein Gleiten in den Tod sein sollte, so sind es die Ansprüche des Eros, der Sexualtriebe, welche als
Triebbedürfnisse das Herabsinken des Niveaus aufhalten und neue Spannungen einführen. Das
Es erwehrt sich ihrer, vom Lustprinzip, das heißt der Unlustwahrnehmung geleitet, auf
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin