Seite - 935 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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dieselben Beispiele zu analysieren, die bereits den klassischen Autoren über den Witz gedient
haben, aber wir beabsichtigen, uns außerdem an neues Material zu wenden, um eine breitere
Unterlage für unsere Schlußfolgerungen zu gewinnen. Es liegt dann nahe, daß wir solche
Beispiele von Witz zu Objekten unserer Untersuchung nehmen, die uns selbst im Leben den
größten Eindruck gemacht und uns am ausgiebigsten lachen gemacht haben.
Ob das Thema des Witzes solcher Bemühung wert ist? Ich meine, daran ist nicht zu zweifeln.
Wenn ich von persönlichen, während der Entwicklung dieser Studien aufzudeckenden Motiven
absehe, die mich drängen, Einsicht in die Probleme des Witzes zu gewinnen, kann ich mich auf
die Tatsache des intimen Zusammenhanges alles seelischen Geschehens berufen, welche einer
psychologischen Erkenntnis auch auf einem entlegenen Gebiet einen im vorhinein nicht
abschätzbaren Wert für andere Gebiete zusichert. Man darf auch daran mahnen, welch
eigentümlichen, geradezu faszinierenden Reiz der Witz in unserer Gesellschaft äußert. Ein neuer
Witz wirkt fast wie ein Ereignis von allgemeinstem Interesse; er wird wie die neueste
Siegesnachricht von dem einen dem anderen zugetragen. Selbst bedeutende Männer, die es für
mitteilenswert halten, wie sie geworden sind, welche Städte und Länder sie gesehen und mit
welchen hervorragenden Menschen sie verkehrt haben, verschmähen es nicht, in ihre
Lebensbeschreibung aufzunehmen, diese und jene vortrefflichen Witze hätten sie gehört[2].
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin