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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Seite - 953 -
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. . . Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn’, . . . Der Rheinstrom ist geworden zu einem Peinstrom, Die Klöster sind ausgenommene Nester, Die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer . . . Und alle die gesegneten deutschen Länder Sind verkehrt worden in Elender.« Besonders gern modifiziert der Witz einen der Vokale des Wortes, z.  B.: Von einem kaiserfeindlichen italienischen Dichter, der dann doch genötigt war, einen deutschen Kaiser in Hexametern zu besingen, sagt Hevesi (Almanaccando, , S. 87): Da er die Cäsaren nicht auszurotten vermag, merzt er wenigstens die Cäsuren aus. Bei der Fülle von Kalauern, die uns zur Verfügung stünden, hat es vielleicht noch ein besonderes Interesse, ein wirklich schlechtes Beispiel hervorzuheben, das Heine zur Last fällt. Nachdem er sich (Buch Le Grand, Kapitel V) durch lange Zeit vor seiner Dame als »indischer Prinz« gebärdet, wirft er dann die Maske ab und gesteht: »Madame! Ich habe Sie belogen … Ich war ebensowenig jemals in Kalkutta, wie der Kalkutenbraten, den ich gestern mittag gegessen.« Offenbar liegt der Fehler dieses Witzes darin, daß die beiden ähnlichen Worte nicht mehr bloß ähnlich, sondern eigentlich identisch sind. Der Vogel, dessen Braten er gegessen, heißt so, weil er aus dem nämlichen Kalkutta stammt oder stammen soll. K. Fischer hat diesen Formen des Witzes große Aufmerksamkeit geschenkt und will sie von den »Wortspielen« scharf getrennt wissen (1889, S. 78). »Das calembourg ist das schlechte Wortspiel, denn es spielt mit dem Wort nicht als Wort, sondern als Klang.« Das Wortspiel aber »geht von dem Klange des Wortes in das Wort selbst ein«. Anderseits zählt er auch Witze wie »famillionär«, Antigone (antik? o nee) usw. zu den Klangwitzen. Ich sehe keine Nötigung, ihm hierin zu folgen. Auch im Wortspiel ist das Wort für uns nur ein Klangbild, mit dem sich dieser oder jener Sinn verbindet. Der Sprachgebrauch macht aber auch hier wieder keine scharfen Unterschiede, und wenn er den »Kalauer« mit Mißachtung, das »Wortspiel« mit einem gewissen Respekt behandelt, so scheinen diese Wertungen durch andere als technische Gesichtspunkte bedingt zu sein. Man achte einmal darauf, welcher Art die Witze sind, die man als »Kalauer« zu hören bekommt. Es gibt Personen, welche die Gabe besitzen, wenn sie in aufgeräumter Stimmung sind, durch längere Zeit jede an sie gerichtete Rede mit einem Kalauer zu beantworten. Einer meiner Freunde, sonst das Muster der Bescheidenheit, wenn seine ernsthaften Leistungen in der Wissenschaft in Rede stehen, pflegt dergleichen auch von sich zu rühmen. Als die Gesellschaft, die er einst so in Atem erhielt, der Verwunderung über seine Ausdauer Ausdruck gab, sagte er: »Ja, ich liege hier auf der Ka-Lauer«, und als man ihn bat endlich aufzuhören, stellte er die Bedingung, daß man ihn zum Poeta Ka-laureatus ernenne. Beides sind 953
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Titel
Schriften von Sigmund Freud
Untertitel
(1856–1939)
Autor
Sigmund Freud
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
Abmessungen
21.6 x 28.0 cm
Seiten
2789
Schlagwörter
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Kategorien
Geisteswissenschaften
Medizin
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