Seite - 984 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Grund der beiden vorhin gewonnenen Einsichten behaupten, daß er eine Tätigkeit ist, welche
darauf abzielt, Lust aus den seelischen Vorgängen – intellektuellen oder anderen – zu gewinnen.
Es gibt gewiß noch andere Tätigkeiten, die dasselbe bezwecken. Vielleicht unterscheiden sie sich
darin, aus welchem Gebiete seelischer Tätigkeit sie Lust schöpfen wollen, vielleicht durch die
Methode, deren sie sich dabei bedienen. Wir können das gegenwärtig nicht entscheiden; wir
halten aber daran fest, daß nun die Witztechnik und die sie teilweise beherrschende ersparende
Tendenz (S. 43 ff.) in Beziehung gebracht sind zur Erzeugung von Lust.
Ehe wir aber darangehen, das Rätsel, wie die technischen Mittel der Witzarbeit Lust beim Hörer
erregen können, zu lösen, wollen wir uns erinnern, daß wir zum Zwecke der Vereinfachung und
besseren Durchsichtigkeit die tendenziösen Witze ganz zur Seite geschoben haben. Wir müssen
doch aufzuklären suchen, welches die Tendenzen des Witzes sind und in welcher Weise er diesen
Tendenzen dient.
Wir werden vor allem durch eine Beobachtung gemahnt, den tendenziösen Witz bei der
Untersuchung nach der Herkunft der Lust am Witze nicht beiseite zu lassen. Die Lustwirkung des
harmlosen Witzes ist zumeist eine mäßige; ein deutliches Wohlgefallen, ein leichtes Lächeln ist
zumeist alles, was er beim Hörer zu erreichen vermag, und von diesem Effekt ist etwa noch ein
Teil auf Rechnung seines Gedankeninhalts zu setzen, wie wir an geeigneten Beispielen (S. 89)
bemerkt haben. Fast niemals erzielt der tendenzlose Witz jene plötzlichen Ausbrüche von
Gelächter, die den tendenziösen so unwiderstehlich machen. Da die Technik bei beiden die
nämliche sein kann, darf in uns die Vermutung rege werden, daß der tendenziöse Witz kraft
seiner Tendenz über Quellen der Lust verfügen müsse, zu denen der harmlose Witz keinen
Zugang hat.
Die Tendenzen des Witzes sind nun leicht zu übersehen. Wo der Witz nicht Selbstzweck, d. h.
harmlos ist, stellt er sich in den Dienst von nur zwei Tendenzen, die selbst eine Vereinigung unter
einen Gesichtspunkt zulassen; er ist entweder feindseliger Witz (der zur Aggression, Satire,
Abwehr dient) oder obszöner Witz (welcher der Entblößung dient). Von vornherein ist wieder zu
bemerken, daß die technische Art des Witzes – ob Wort- oder Gedankenwitz – keine Relation zu
diesen beiden Tendenzen hat.
Weitläufiger ist es nun, darzulegen, auf welche Weise der Witz diesen Tendenzen dient. Ich
möchte bei dieser Untersuchung nicht den feindseligen, sondern den entblößenden Witz
voranstellen. Dieser ist zwar weit seltener einer Untersuchung gewürdigt worden, als hätte sich
hier eine Abneigung vom Stofflichen aufs Sachliche übertragen, allein wir wollen uns hiedurch
nicht beirren lassen, da wir alsbald auf einen Grenzfall des Witzes stoßen werden, der uns
Aufklärung über mehr als einen dunklen Punkt zu bringen verspricht.
Man weiß, was unter der »Zote« verstanden wird: Die beabsichtigte Hervorhebung sexueller
Tatsachen und Verhältnisse durch die Rede. Indes diese Definition ist nicht stichhaltiger als
andere Definitionen. Ein Vortrag über die Anatomie der Sexualorgane oder über die Physiologie
der Zeugung braucht trotz dieser Definition nicht einen einzigen Berührungspunkt mit der Zote
gemein zu haben. Es gehört noch dazu, daß die Zote an eine bestimmte Person gerichtet werde,
von der man sexuell erregt wird und die durch das Anhören der Zote von der Erregung des
Redenden Kenntnis bekommen und dadurch selbst sexuell erregt werden soll. Anstatt dieser
Erregung mag sie auch in Scham oder Verlegenheit gebracht werden, was nur eine Reaktion
gegen ihre Erregung und auf diesem Umwege ein Eingeständnis derselben bedeutet. Die Zote ist
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin