Seite - 1012 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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ihrer Urheber zu; die tendenziösen Witze der Aggression gelingen denen am besten, in deren
Sexualität eine mächtige sadistische Komponente, im Leben mehr oder weniger gehemmt,
nachweisbar ist.
Die zweite Tatsache, die zur Untersuchung der subjektiven Bedingtheit des Witzes auffordert, ist
die allgemein bekannte Erfahrung, daß niemand sich begnügen kann, einen Witz für sich allein
gemacht zu haben. Mit der Witzarbeit ist der Drang zur Mitteilung des Witzes unabtrennbar
verbunden; ja dieser Drang ist so stark, daß er sich oft genug mit Hinwegsetzung über wichtige
Bedenken verwirklicht. Auch beim Komischen gewährt die Mitteilung an eine andere Person
Genuß; aber sie ist nicht gebieterisch, man kann das Komische, wo man darauf stößt, allein
genießen. Den Witz hingegen ist man mitzuteilen genötigt; der psychische Vorgang der
Witzbildung scheint mit dem Einfallen des Witzes nicht abgeschlossen, es bleibt etwas übrig, das
durch die Mitteilung des Einfalls den unbekannten Vorgang der Witzbildung zum Abschlusse
bringen will.
Wir können zunächst nicht erraten, wodurch der Trieb zur Mitteilung des Witzes begründet sein
mag. Aber wir bemerken am Witz eine andere Eigentümlichkeit, die ihn wiederum vom
Komischen unterscheidet. Wenn mir das Komische begegnet, so kann ich selbst herzlich darüber
lachen; es freut mich allerdings auch, wenn ich durch die Mitteilung desselben einen anderen
zum Lachen bringe. Über den Witz, der mir eingefallen ist, den ich gemacht habe, kann ich nicht
selbst lachen, trotz des unverkennbaren Wohlgefallens, das ich am Witz empfinde. Es ist
möglich, daß mein Bedürfnis nach Mitteilung des Witzes an einen anderen mit diesem mir selbst
versagten, beim anderen aber manifesten Lacheffekt des Witzes irgendwie zusammenhängt.
Warum lache ich nun nicht über meinen eigenen Witz? Und welches ist dabei die Rolle des
anderen?
Wenden wir uns zuerst der letzteren Frage zu. Beim Komischen kommen im allgemeinen zwei
Personen in Betracht, außer meinem Ich die Person, an der ich das Komische finde; wenn mir
Gegenstände komisch erscheinen, geschieht dies durch eine in unserem Vorstellungsleben nicht
seltene Art von Personifizierung. Mit diesen beiden Personen, dem Ich und der Objektperson,
begnügt sich der komische Vorgang; eine dritte Person kann hinzukommen, wird aber nicht
erfordert. Der Witz als ein Spiel mit den eigenen Worten und Gedanken entbehrt zunächst einer
Objektperson, aber schon auf der Vorstufe des Scherzes verlangt er, wenn es ihm gelungen ist,
Spiel und Unsinn gegen die Einrede der Vernunft sicherzustellen, nach einer anderen Person,
welcher er sein Ergebnis mitteilen kann. Diese zweite Person beim Witze entspricht aber nicht
der Objektperson, sondern der dritten Person, dem anderen bei der Komik. Es scheint, daß beim
Scherz der anderen Person die Entscheidung übertragen wird, ob die Witzarbeit ihre Aufgabe
erfüllt hat, als ob das Ich sich seines Urteils darüber nicht sicher wüßte. Auch der harmlose, den
Gedanken verstärkende Witz bedarf des anderen, um zu erproben, ob er seine Absicht erreicht
hat. Begibt sich der Witz in den Dienst entblößender oder feindseliger Tendenzen, so kann er als
psychischer Vorgang zwischen drei Personen beschrieben werden, welche die nämlichen sind
wie bei der Komik, aber die Rolle der dritten Person ist eine andere dabei; der psychische
Vorgang des Witzes vollendet sich zwischen der ersten, dem Ich, und der dritten, der fremden
Person, nicht wie beim Komischen zwischen dem Ich und der Objektperson.
Auch bei der dritten Person des Witzes stößt der Witz auf subjektive Bedingungen, die das Ziel
der Lusterregung unerreichbar machen können. Wie Shakespeare mahnt (Love’s Labour’s Lost,
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin