Seite - 1015 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Gedankenverbindung entstehen, deren Bildung auch bei ihm so große innere Hindernisse
entgegenstanden. Er hätte eigene Bemühung anwenden müssen, um sie spontan als erste Person
zustande zu bringen, mindestens so viel psychischen Aufwand daransetzen müssen, als der Stärke
der Hemmung, Unterdrückung oder Verdrängung derselben entspricht. Diesen psychischen
Aufwand hat er sich erspart; nach unseren früheren Erörterungen (vgl. S. 112) würden wir sagen,
seine Lust entspreche dieser Ersparung. Nach unserer Einsicht in den Mechanismus des Lachens
werden wir vielmehr sagen, die zur Hemmung verwendete Besetzungsenergie sei nun durch die
Herstellung der verpönten Vorstellung auf dem Wege der Gehörswahrnehmung plötzlich
überflüssig geworden, aufgehoben und darum zur Abfuhr durch das Lachen bereit. Im
wesentlichen laufen beide Darstellungen auf das gleiche hinaus, denn der ersparte Aufwand
entspricht genau der überflüssig gewordenen Hemmung. Anschaulicher ist aber die letztere
Darstellung, denn sie gestattet uns zu sagen, der Hörer des Witzes lache mit dem Betrag von
psychischer Energie, der durch die Aufhebung der Hemmungsbesetzung frei geworden ist; er
lache diesen Betrag gleichsam ab.
Wenn die Person, bei der der Witz sich bildet, nicht lachen kann, so deute dies, sagten wir eben,
auf eine Abweichung vom Vorgang bei der dritten Person, der entweder die Aufhebung der
Hemmungsbesetzung oder die Abfuhrmöglichkeit derselben betrifft. Aber der erstere der beiden
Fälle ist unzutreffend, wie wir sofort einsehen müssen. Die Hemmungsbesetzung muß auch bei
der ersten Person aufgehoben worden sein, sonst wäre kein Witz geworden, dessen Bildung ja
einen solchen Widerstand zu überwinden hatte. Auch wäre es unmöglich, daß die erste Person die
Witzeslust empfände, die wir ja von der Aufhebung der Hemmung ableiten mußten. Es erübrigt
also nur der andere Fall, daß die erste Person nicht lachen kann, obwohl sie Lust empfindet, weil
die Abfuhrmöglichkeit gestört ist. Eine solche Störung in der Ermöglichung der Abfuhr, welche
fürs Lachen Bedingung ist, kann sich daraus ergeben, daß die frei gewordene Besetzungsenergie
sofort einer anderen endopsychischen Verwendung zugeführt wird. Es ist gut, daß wir auf diese
Möglichkeit aufmerksam geworden sind; wir werden ihr alsbald weiteres Interesse zuwenden.
Bei der ersten Person des Witzes kann aber eine andere Bedingung, die zum gleichen Ergebnis
führt, verwirklicht sein. Es ist vielleicht überhaupt kein äußerungsfähiger Betrag von Energie frei
geworden, trotz der erfolgten Aufhebung der Hemmungsbesetzung. Bei der ersten Person des
Witzes geht ja die Witzarbeit vor sich, die einem gewissen Betrag von neuem psychischen
Aufwand entsprechen muß. Die erste Person bringt also die Kraft selbst auf, welche die
Hemmung aufhebt; daraus resultiert für sie sicherlich ein Lustgewinn, im Falle des tendenziösen
Witzes sogar ein sehr erheblicher, da die durch die Witzarbeit gewonnene Vorlust selbst die
weitere Hemmungsaufhebung übernimmt, aber der Aufwand der Witzarbeit zieht sich in jedem
Falle von dem Gewinn bei der Aufhebung der Hemmung ab, der nämliche Aufwand, welcher
beim Hörer des Witzes entfällt. Zur Unterstützung des Obenstehenden kann man noch anführen,
daß der Witz auch bei der dritten Person seinen Lacheffekt einbüßt, sobald derselben ein
Aufwand von Denkarbeit zugemutet wird. Die Anspielungen des Witzes müssen augenfällige
sein, die Auslassungen sich leicht ergänzen; mit der Erweckung des bewußten Denkinteresses ist
in der Regel die Wirkung des Witzes unmöglich gemacht. Hierin liegt ein wichtiger Unterschied
von Witz und Rätsel. Vielleicht, daß die psychische Konstellation während der Witzarbeit der
freien Abfuhr des Gewonnenen überhaupt nicht günstig ist. Wir sind hier wohl nicht in der Lage,
tiefere Einsicht zu gewinnen; wir haben den einen Teil unseres Problems, warum die dritte
Person lacht, besser aufklären können als dessen anderen Teil, warum die erste Person nicht
lacht.
Immerhin sind wir nun, wenn wir diese Anschauungen über die Bedingungen des Lachens und
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin