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enthalten ist.«[54]
Ich muß hervorheben, daß diese Tatsache noch keineswegs Verständnis gefunden hat. Sie scheint
aber einen wichtigen Charakter des unbewußten Denkens anzudeuten, dem aller
Wahrscheinlichkeit nach ein dem »Urteilen« vergleichbarer Vorgang abgeht. An Stelle der
Urteilsverwerfung findet man im Unbewußten die »Verdrängung«. Die Verdrängung kann wohl
richtig als die Zwischenstufe zwischen dem Abwehrreflex und der Verurteilung beschrieben
werden[55].
Der Unsinn, die Absurdität, die so häufig im Traum vorkommt und ihm soviel unverdiente
Verachtung zugezogen hat, ist doch niemals zufällig durch die Zusammenwürfelung von
Vorstellungselementen entstanden, sondern jedesmal als von der Traumarbeit absichtlich
zugelassen nachzuweisen und zur Darstellung von erbitterter Kritik und verächtlichem
Widerspruch innerhalb der Traumgedanken bestimmt. Die Absurdität des Trauminhalts ersetzt
also das Urteil: Es ist ein Unsinn, in den Traumgedanken. Ich habe in meiner Traumdeutung
großen Nachdruck auf diesen Nachweis gelegt, weil ich den Irrtum, der Traum sei überhaupt kein
psychisches Phänomen, der den Weg zur Erkenntnis des Unbewußten versperrt, auf diese Weise
am eindringlichsten zu bekämpfen gedachte. Wir haben nun erfahren (bei der Auflösung gewisser
tendenziöser Witze, S. 56
ff.), daß der Unsinn im Witze den gleichen Zwecken der Darstellung
dienstbar gemacht wird. Wir wissen auch, daß eine unsinnige Fassade des Witzes ganz besonders
geeignet ist, den psychischen Aufwand bei dem Hörer zu steigern und somit auch den zur Abfuhr
durch Lachen frei werdenden Betrag zu erhöhen. Außerdem aber wollen wir nicht daran
vergessen, daß der Unsinn im Witz Selbstzweck ist, da die Absicht, die alte Lust am Unsinn
wiederzugewinnen, zu den Motiven der Witzarbeit gehört. Es gibt andere Wege, um den Unsinn
wiederzugewinnen und Lust aus ihm zu ziehen; Karikatur, Übertreibung, Parodie und Travestie
bedienen sich derselben und schaffen so den »komischen Unsinn«. Unterwerfen wir diese
Ausdrucksformen einer ähnlichen Analyse, wie wir sie am Witz geübt haben, so werden wir
finden, daß sich bei ihnen allen kein Anlaß ergibt, unbewußte Vorgänge in unserem Sinne zur
Erklärung heranzuziehen. Wir verstehen nun auch, warum der Charakter des »Witzigen« zur
Karikatur, Übertreibung, Parodie als Zutat hinzukommen kann; es ist die Verschiedenheit des
»psychischen Schauplatzes«, die dies ermöglicht[56].
Ich meine, die Verlegung der Witzarbeit in das System des Unbewußten ist uns um ein ganzes
Stück wertvoller geworden, seitdem sie uns das Verständnis für die Tatsache eröffnet hat, daß die
Techniken, an denen der Witz doch haftet, anderseits nicht sein ausschließliches Gut sind.
Manche Zweifel, die wir während unserer anfänglichen Untersuchung dieser Techniken fürs
nächste zurückstellen mußten, finden nun ihre bequeme Lösung. Um so mehr verdient unsere
Würdigung ein Bedenken, welches uns sagen möchte, daß die unleugbar vorhandene Beziehung
des Witzes zum Unbewußten nur für gewisse Kategorien des tendenziösen Witzes richtig ist,
während wir bereit sind, dieselbe auf alle Arten und Entwicklungsstufen des Witzes
auszudehnen. Wir dürfen uns der Prüfung dieses Einwandes nicht entziehen.
Der sichere Fall der Witzbildung im Unbewußten ist anzunehmen, wenn es sich um Witze im
Dienste unbewußter oder durchs Unbewußte verstärkter Tendenzen handelt, also bei den meisten
»zynischen« Witzen. Dann zieht nämlich die unbewußte Tendenz den vorbewußten Gedanken zu
sich herab ins Unbewußte, um ihn dort umzuformen, ein Vorgang, zu welchem das Studium der
Neurosenpsychologie zahlreiche Analogien kennen gelehrt hat. Bei den tendenziösen Witzen
anderer Art, beim harmlosen Witz und beim Scherz scheint aber diese herabziehende Kraft
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin