Seite - 1041 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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die Person für sich allein vorstellt, etwas anschaulich denkt; daß diese Person dann das Groß und
Klein an ihrem Körper ebenso wie während der Rede zum Ausdruck bringt, durch veränderte
Innervation an ihren Gesichtszügen und Sinnesorganen wenigstens. Ja, ich kann mir denken, daß
die dem Inhalt des Vorgestellten konsensuelle Körperinnervation der Beginn und Ursprung der
Mimik zu Mitteilungszwecken war; sie brauchte ja nur gesteigert, dem anderen auffällig gemacht
zu werden, um dieser Absicht dienen zu können. Wenn ich so die Ansicht vertrete, daß zu dem
»Ausdruck der Gemütsbewegungen«, der als körperliche Nebenwirkung seelischer Vorgänge
bekannt ist, dieser »Ausdruck des Vorstellungsinhalts« hinzugefügt werden sollte, so ist mir
gewiß klar, daß meine auf die Kategorie des Großen und Kleinen bezüglichen Bemerkungen das
Thema nicht erschöpfen. Ich wüßte selbst noch mancherlei dazuzutun, noch ehe man zu den
Spannungsphänomenen gelangt, durch welche eine Person die Sammlung ihrer Aufmerksamkeit
und das Niveau der Abstraktion, auf dem ihr Denken eben verweilt, körperlich anzeigt. Ich halte
den Gegenstand für recht bedeutsam und glaube, daß die Verfolgung der Vorstellungsmimik auf
anderen Gebieten der Ästhetik ähnlich nützlich sein dürfte wie hier für das Verständnis des
Komischen.
Um nun zur Komik der Bewegung zurückzukehren, wiederhole ich, daß mit der Wahrnehmung
einer bestimmten Bewegung der Impuls zu ihrer Vorstellung durch einen gewissen Aufwand
gegeben sein wird. Ich mache also beim »Verstehenwollen«, bei der Apperzeption dieser
Bewegung einen gewissen Aufwand, verhalte mich bei diesem Stück des seelischen Vorganges
ganz so, als ob ich mich an die Stelle der beobachteten Person versetzte. Wahrscheinlich
gleichzeitig fasse ich aber das Ziel dieser Bewegung ins Auge und kann durch frühere Erfahrung
das Maß von Aufwand abschätzen, welches zur Erreichung dieses Zieles erforderlich ist. Ich sehe
dabei von der beobachteten Person ab und benehme mich so, als ob ich selbst das Ziel der
Bewegung erreichen wollte. Diese beiden Vorstellungsmöglichkeiten kommen auf einen
Vergleich der beobachteten mit meiner eigenen Bewegung hinaus. Bei einer übermäßigen und
unzweckmäßigen Bewegung des anderen wird mein Mehraufwand fürs Verständnis in statu
nascendi, gleichsam in der Mobilmachung gehemmt, als überflüssig erklärt und ist für weitere
Verwendung, eventuell für die Abfuhr durch Lachen frei. Dieser Art wäre, wenn andere günstige
Bedingungen hinzutreten, die Entstehung der Lust an der komischen Bewegung, ein bei der
Vergleichung mit der eigenen Bewegung als Überschuß unverwendbar gewordener
Innervationsaufwand.
Wir merken nun, daß wir unsere Erörterungen nach zwei verschiedenen Richtungen fortzusetzen
haben, erstens um die Bedingungen für die Abfuhr des Überschusses festzustellen, zweitens um
zu prüfen, ob die anderen Fälle des Komischen sich ähnlich fassen lassen wie das Komische der
Bewegung.
Wir wenden uns der letzteren Aufgabe zuerst zu und ziehen nach dem Komischen der Bewegung
und Handlung das Komische in Betracht, das an den geistigen Leistungen und Charakterzügen
des anderen gefunden wird.
Wir können den komischen Unsinn, wie er von unwissenden Kandidaten im Examen produziert
wird, zum Muster der Gattung nehmen; schwieriger ist es wohl, von den Charakterzügen ein
einfaches Beispiel zu geben. Es darf uns nicht irremachen, daß Unsinn und Dummheit, die so
häufig komisch wirken, doch nicht in allen Fällen als komisch empfunden werden, ebenso wie
die nämlichen Charaktere, über die wir das eine Mal als komisch lachen, andere Male uns als
verächtlich oder hassenswert erscheinen können. Diese Tatsache, der Rechnung zu tragen wir
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin