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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Seite - 1052 -
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»Mit einer Gabel und mit Müh’ zog ihn die Mutter aus der Brüh’« ist bloß komisch; Heines Satz von den vier Kasten der Bevölkerung Göttingens Professoren, Studenten, Philister und Vieh ist aber exquisit witzig. Für die absichtliche Komik der Rede nehme ich Stettenheims »Wippchen« als Muster. Man nennt Stettenheim witzig, weil er in besonderem Grade die Geschicklichkeit besitzt, das Komische hervorzurufen. Der Witz, den man »hat«, im Gegensatz zu dem, den man »macht«, ist in der Tat durch diese Fähigkeit zutreffend bestimmt. Es ist unleugbar, daß die Briefe des Bernauer Korrespondenten Wippchen auch witzig sind, insoferne sie reichlich Witze jeder Art, darunter ernsthaft gelungene (»festlich entkleidet« von einer Parade bei Wilden) eingestreut enthalten; was diesen Produktionen aber ihren eigentümlichen Charakter verleiht, sind nicht diese vereinzelten Witze, sondern das in ihnen fast überreichlich quellende Komische der Rede. »Wippchen« ist gewiß eine ursprünglich satirisch gemeinte Figur, eine Modifikation des G. Freytagschen Schmock, einer jener Ungebildeten, die mit dem Bildungsschatz der Nation Handel und Mißbrauch treiben, aber das Behagen an den bei ihrer Darstellung erzielten komischen Effekten hat beim Autor offenbar die satirische Tendenz allmählich in den Hintergrund gedrängt. Die Produktionen Wippchens sind zum großen Teil »komischer Unsinn«; der durch Häufung solcher Leistungen erzielten Luststimmung hat sich der Autor – übrigens mit Recht – bedient, um neben durchaus Zulässigem allerlei Abgeschmacktes vorzubringen, was für sich allein nicht zu vertragen wäre. Der Unsinn Wippchens erscheint nun als ein spezifischer infolge einer besonderen Technik. Faßt man diese »Witze« näher ins Auge, so fallen einige Gattungen besonders auf, die der ganzen Produktion ihr Gepräge geben. Wippchen bedient sich vorwiegend der Zusammensetzungen (Verschmelzungen), der Modifikationen bekannter Redensarten und Zitate und der Ersetzungen einzelner banaler Elemente in diesen durch meist anspruchsvollere, höherwertige Ausdrucksmittel. Das geht allerdings nahe an die Techniken des Witzes heran. Verschmelzungen sind z.  B. (aus der Vorrede und den ersten Seiten der ganzen Reihe ausgesucht): »Die Türkei hat Geld wie Heu am Meere«; was aus den beiden Redensarten: »Geld wie Heu« »Geld wie Sand am Meere« zusammengeflickt ist. Oder: »Ich bin nichts mehr als eine entlaubte Säule, die von entschwundener Pracht zeugt«, verdichtet aus »entlaubter Stamm« und »eine Säule, die usw.« Oder: »Wo ist der Ariadnefaden, der aus der Skylla dieses Augiasstalles herausleitet?«, wozu drei griechische Sagen je ein Element beigesteuert haben. 1052
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Titel
Schriften von Sigmund Freud
Untertitel
(1856–1939)
Autor
Sigmund Freud
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
Abmessungen
21.6 x 28.0 cm
Seiten
2789
Schlagwörter
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Kategorien
Geisteswissenschaften
Medizin
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