Seite - 1107 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Aber dieser wenig intensiven Lust schreiben wir – ohne recht zu wissen warum – einen
hochwertigen Charakter zu, wir empfinden sie als besonders befreiend und erhebend. Der Scherz,
den der Humor macht, ist ja auch nicht das Wesentliche, er hat nur den Wert einer Probe; die
Hauptsache ist die Absicht, welche der Humor ausführt, ob er sich nun an der eigenen oder an
fremden Personen betätigt. Er will sagen: Sieh’ her, das ist nun die Welt, die so gefährlich
aussieht. Ein Kinderspiel, gerade gut, einen Scherz darüber zu machen!
Wenn es wirklich das Über-Ich ist, das im Humor so liebevoll tröstlich zum eingeschüchterten
Ich spricht, so wollen wir daran gemahnt sein, daß wir über das Wesen des Über-Ichs noch
allerlei zu lernen haben. Übrigens sind nicht alle Menschen der humoristischen Einstellung fähig,
es ist eine köstliche und seltene Begabung, und vielen fehlt selbst die Fähigkeit, die ihnen
vermittelte humoristische Lust zu genießen. Und endlich, wenn das Über-Ich durch den Humor
das Ich zu trösten und vor Leiden zu bewahren strebt, hat es damit seiner Abkunft von der
Elterninstanz nicht widersprochen.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin