Seite - 1142 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Sexualzieles schützt. Die Grenze dieses Ekels ist aber häufig rein konventionell; wer etwa mit
Inbrunst die Lippen eines schönen Mädchens küßt, wird vielleicht das Zahnbürstchen desselben
nur mit Ekel gebrauchen können, wenngleich kein Grund zur Annahme vorliegt, daß seine eigene
Mundhöhle, vor der ihm nicht ekelt, reinlicher sei als die des Mädchens. Man wird hier auf das
Moment des Ekels aufmerksam, welches der libidinösen Überschätzung des Sexualobjekts in den
Weg tritt, seinerseits aber durch die Libido überwunden werden kann. In dem Ekel möchte man
eine der Mächte erblicken, welche die Einschränkung des Sexualzieles zustande gebracht haben.
In der Regel machen diese vor den Genitalien selbst halt. Es ist aber kein Zweifel, daß auch die
Genitalien des anderen Geschlechts an und für sich Gegenstand des Ekels sein können und daß
dieses Verhalten zur Charakteristik aller Hysterischen (zumal der weiblichen) gehört. Die Stärke
des Sexualtriebes liebt es, sich in der Überwindung dieses Ekels zu betätigen. (S. u.)
Sexuelle Verwendung der Afteröffnung. Klarer noch als im früheren Falle erkennt man bei der
Inanspruchnahme des Afters, daß es der Ekel ist, welcher dieses Sexualziel zur Perversion
stempelt. Man lege mir aber die Bemerkung nicht als Parteinahme aus, daß die Begründung
dieses Ekels, diese Körperpartie diene der Exkretion und komme mit dem Ekelhaften an sich –
den Exkrementen – in Berührung, nicht viel stichhältiger ist als etwa die Begründung, welche
hysterische Mädchen für ihren Ekel vor dem männlichen Genitale abgeben: es diene der
Harnentleerung.
Die sexuelle Rolle der Afterschleimhaut ist keineswegs auf den Verkehr zwischen Männern
beschränkt, ihre Bevorzugung hat nichts für das invertierte Fühlen Charakteristisches. Es scheint
im Gegenteil, daß die Pädikatio des Mannes ihre Rolle der Analogie mit dem Akt beim Weibe
verdankt, während gegenseitige Masturbation das Sexualziel ist, welches sich beim Verkehr
Invertierter am ehesten ergibt.
Bedeutung anderer Körperstellen. Das sexuelle Übergreifen auf andere Körperstellen bietet in all
seinen Variationen nichts prinzipiell Neues, fügt nichts zur Kenntnis des Sexualtriebes hinzu, der
hierin nur seine Absicht verkündet, sich des Sexualobjekts nach allen Richtungen zu
bemächtigen. Neben der Sexualüberschätzung meldet sich aber bei den anatomischen
Überschreitungen ein zweites, der populären Kenntnis fremdartiges Moment. Gewisse
Körperstellen, wie die Mund- und Afterschleimhaut, die immer wieder in diesen Praktiken
auftreten, erheben gleichsam den Anspruch, selbst als Genitalien betrachtet und behandelt zu
werden. Wir werden hören, wie dieser Anspruch durch die Entwicklung des Sexualtriebes
gerechtfertigt und wie er in der Symptomatologie gewisser Krankheitszustände erfüllt wird.
Ungeeigneter Ersatz des Sexualobjekt-Fetischismus. Einen ganz besonderen Eindruck ergeben
jene Fälle, in denen das normale Sexualobjekt ersetzt wird durch ein anderes, das zu ihm in
Beziehung steht, dabei aber völlig ungeeignet ist, dem normalen Sexualziel zu dienen. Wir hätten
nach den Gesichtspunkten der Einteilung wohl besser getan, diese höchst interessante Gruppe
von Abirrungen des Sexualtriebes schon bei den Abweichungen in bezug auf das Sexualobjekt zu
erwähnen, verschoben es aber, bis wir das Moment der Sexualüberschätzung kennengelernt
hatten, von welchem diese Erscheinungen abhängen, mit denen ein Aufgeben des Sexualzieles
verbunden ist.
Der Ersatz für das Sexualobjekt ist ein im allgemeinen für sexuelle Zwecke sehr wenig
geeigneter Körperteil (Fuß, Haar) oder ein unbelebtes Objekt, welches in nachweisbarer Relation
mit der Sexualperson, am besten mit der Sexualität derselben, steht. (Stücke der Kleidung, weiße
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin