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man nur wenige Neurotiker findet, die nicht ihre besonderen skatologischen Gebräuche,
Zeremonien und dergleichen hätten, die von ihnen sorgfältig geheimgehalten werden[51].
Echte masturbatorische Reizung der Afterzone mit Hilfe des Fingers, durch zentral bedingtes
oder peripherisch unterhaltenes Jucken hervorgerufen, ist bei älteren Kindern keineswegs selten.
Betätigung der Genitalzonen. Unter den erogenen Zonen des kindlichen Körpers befindet sich
eine, die gewiß nicht die erste Rolle spielt, auch nicht die Trägerin der ältesten sexuellen
Regungen sein kann, die aber zu großen Dingen in der Zukunft bestimmt ist. Sie ist beim
männlichen wie beim weiblichen Kind in Beziehung zur Harnentleerung gebracht (Eichel,
Klitoris) und beim ersteren in einen Schleimhautsack einbezogen, so daß es ihr an Reizungen
durch Sekrete, welche die sexuelle Erregung frühzeitig anfachen können, nicht fehlen kann. Die
sexuellen Betätigungen dieser erogenen Zone, die den wirklichen Geschlechtsteilen angehört,
sind ja der Beginn des später »normalen« Geschlechtslebens.
Durch die anatomische Lage, die Überströmung mit Sekreten, durch die Waschungen und
Reibungen der Körperpflege und durch gewisse akzidentelle Erregungen (wie die Wanderungen
von Eingeweidewürmern bei Mädchen) wird es unvermeidlich, daß die Lustempfindung, welche
diese Körperstelle zu ergeben fähig ist, sich dem Kinde schon im Säuglingsalter bemerkbar
mache und ein Bedürfnis nach ihrer Wiederholung erwecke. Überblickt man die Summe der
vorliegenden Einrichtungen und bedenkt, daß die Maßregeln zur Reinhaltung kaum anders
wirken können als die Verunreinigung, so wird man sich kaum der Auffassung entziehen können,
daß durch die Säuglingsonanie, der kaum ein Individuum entgeht, das künftige Primat dieser
erogenen Zone für die Geschlechtstätigkeit festgelegt wird. Die den Reiz beseitigende und die
Befriedigung auslösende Aktion besteht in einer reibenden Berührung mit der Hand oder in
einem gewiß reflektorisch vorgebildeten Druck durch die Hand oder die zusammenschließenden
Oberschenkel. Letztere Vornahme ist die beim Mädchen weitaus häufigere. Beim Knaben weist
die Bevorzugung der Hand bereits darauf hin, welchen wichtigen Beitrag zur männlichen
Sexualtätigkeit der Bemächtigungstrieb einst leisten wird[52].
Es wird der Klarheit nur förderlich sein, wenn ich angebe, daß man drei Phasen der infantilen
Masturbation zu unterscheiden hat. Die erste von ihnen gehört der Säuglingszeit an, die zweite
der kurzen Blütezeit der Sexualbetätigung um das vierte Lebensjahr, erst die dritte entspricht der
oft ausschließlich gewürdigten Pubertätsonanie.
Die zweite Phase der kindlichen Masturbation. Die Säuglingsonanie scheint nach kurzer Zeit zu
schwinden, doch kann mit der ununterbrochenen Fortsetzung derselben bis zur Pubertät bereits
die erste große Abweichung von der für den Kulturmenschen anzustrebenden Entwicklung
gegeben sein. Irgend einmal in den Kinderjahren nach der Säuglingszeit, gewöhnlich vor dem
vierten Jahr, pflegt der Sexualtrieb dieser Genitalzone wieder zu erwachen und dann wiederum
eine Zeitlang bis zu einer neuen Unterdrückung anzuhalten oder sich ohne Unterbrechung
fortzusetzen. Die möglichen Verhältnisse sind sehr mannigfaltig und können nur durch genauere
Zergliederung einzelner Fälle erörtert werden. Aber alle Einzelheiten dieser zweiten infantilen
Sexualbetätigung hinterlassen die tiefsten (unbewußten) Eindrucksspuren im Gedächtnis der
Person, bestimmen die Entwicklung ihres Charakters, wenn sie gesund bleibt, und die
Symptomatik ihrer Neurose, wenn sie nach der Pubertät erkrankt[53]. Im letzteren Falle findet man
diese Sexualperiode vergessen, die für sie zeugenden bewußten Erinnerungen verschoben; – ich
habe schon erwähnt, daß ich auch die normale infantile Amnesie mit dieser infantilen
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin