Seite - 1169 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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den Darm wie ein Stuhlabgang geboren. Diese kindlichen Theorien mahnen an Einrichtungen im
Tierreiche, speziell an die Kloake der Typen, die niedriger stehen als die Säugetiere.
Sadistische Auffassung des Sexualverkehrs. Werden Kinder in so zartem Alter Zuschauer des
sexuellen Verkehres zwischen Erwachsenen, wozu die Überzeugung der Großen, das kleine Kind
könne noch nichts Sexuelles verstehen, die Anlässe schafft, so können sie nicht umhin, den
Sexualakt als eine Art von Mißhandlung oder Überwältigung, also im sadistischen Sinne
aufzufassen. Die Psychoanalyse läßt uns auch erfahren, daß ein solcher frühkindlicher Eindruck
viel zur Disposition für eine spätere sadistische Verschiebung des Sexualzieles beiträgt. Des
weiteren beschäftigen sich Kinder viel mit dem Problem, worin der Geschlechtsverkehr oder, wie
sie es erfassen, das Verheiratetsein bestehen mag, und suchen die Lösung des Geheimnisses meist
in einer Gemeinschaft, die durch die Harn- oder Kotfunktion vermittelt wird.
Das typische Mißlingen der kindlichen Sexualforschung. Im allgemeinen kann man von den
kindlichen Sexualtheorien aussagen, daß sie Abbilder der eigenen sexuellen Konstitution des
Kindes sind und trotz ihrer grotesken Irrtümer von mehr Verständnis für die Sexualvorgänge
zeugen, als man ihren Schöpfern zugemutet hätte. Die Kinder nehmen auch die
Schwangerschaftsveränderungen der Mutter wahr und wissen sie richtig zu deuten; die
Storchfabel wird sehr oft vor Hörern erzählt, die ihr ein tiefes, aber meist stummes Mißtrauen
entgegenbringen. Aber da der kindlichen Sexualforschung zwei Elemente unbekannt bleiben, die
Rolle des befruchtenden Samens und die Existenz der weiblichen Geschlechtsöffnung – die
nämlichen Punkte übrigens, in denen die infantile Organisation noch rückständig ist –, bleibt das
Bemühen der infantilen Forscher doch regelmäßig unfruchtbar und endet in einem Verzicht, der
nicht selten eine dauernde Schädigung des Wißtriebes zurückläßt. Die Sexualforschung dieser
frühen Kinderjahre wird immer einsam betrieben; sie bedeutet einen ersten Schritt zur
selbständigen Orientierung in der Welt und setzt eine starke Entfremdung des Kindes von den
Personen seiner Umgebung, die vorher sein volles Vertrauen genossen hatten.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin