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zufällt. Dieses Moment ist offenbar von der intellektuellen Ausbildung abhängig und wächst mit
der Höhe der persönlichen Kultur. Im Gegensatz hiezu ist der Wilde als das »unglückselige Kind
des Augenblickes« charakterisiert worden[87]. Wegen der gegensätzlichen Beziehung zwischen
Kultur und freier Sexualitätsentwicklung, deren Folgen weit in die Gestaltung unseres Lebens
verfolgt werden können, ist es auf niedriger Kultur- oder Gesellschaftsstufe so wenig, auf höherer
so sehr fürs spätere Leben bedeutsam, wie das sexuelle Leben des Kindes verlaufen ist.
Fixierung. Die Begünstigung durch die eben erwähnten psychischen Momente kommt nun den
akzidentell erlebten Anregungen der kindlichen Sexualität zugute. Die letzteren (Verführung
durch andere Kinder oder Erwachsene in erster Linie) bringen das Material bei, welches mit Hilfe
der ersteren zur dauernden Störung fixiert werden kann. Ein guter Teil der später beobachteten
Abweichungen vom normalen Sexualleben ist so bei Neurotikern wie bei Perversen durch die
Eindrücke der angeblich sexualfreien Kindheitsperiode von Anfang an festgelegt. In die
Verursachung teilen sich das Entgegenkommen der Konstitution, die Frühreife, die Eigenschaft
der erhöhten Haftbarkeit und die zufällige Anregung des Sexualtriebes durch fremden Einfluß.
Der unbefriedigende Schluß aber, der sich aus diesen Untersuchungen über die Störungen des
Sexuallebens ergibt, geht dahin, daß wir von den biologischen Vorgängen, in denen das Wesen
der Sexualität besteht, lange nicht genug wissen, um aus unseren vereinzelten Einsichten eine
zum Verständnis des Normalen wie des Pathologischen genügende Theorie zu gestalten.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin