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Die Traumdeutung.
[2] Das Folgende nach Büchsenschütz’ sorgfältiger Darstellung (1868).
[3] Über die Beziehung des Traumes zu den Krankheiten handelt der griechische Arzt
Hippokrates in einem Kapitel seines berühmten Werkes.
[4] Die weiteren Schicksale der Traumdeutung im Mittelalter siehe bei Diepgen (1912) und in
den Spezialuntersuchungen von M. Förster (1910 und 1911), Gotthard (1912) u. a. Über die
Traumdeutung bei den Juden handeln Almoli (1848), Amram (1901), Löwinger (1908), sowie
neuestens, mit Berücksichtigung des psychoanalytischen Standpunktes, Lauer (1913). Kenntnis
der arabischen Traumdeutung vermitteln Drexl (1909), F. Schwarz (1913) und der Missionär
Tfinkdji (1913), der japanischen Miura (1906) und Iwaya (1902), der chinesischen Secker
(1909–10), der indischen Negelein (1912).
[5] Vaschide (1911) behauptet auch, es sei oft bemerkt worden, daß man im Traume fremde
Sprachen geläufiger und reiner spreche als im Wachen.
[6] Aus späterer Erfahrung füge ich hinzu, daß gar nicht so selten harmlose und unwichtige
Beschäftigungen des Tages vom Traume wiederholt werden, etwa: Koffer packen, in der Küche
Speisen zubereiten u.
dgl. Bei solchen Träumen betont der Träumer selbst aber nicht den
Charakter der Erinnerung, sondern den der »Wirklichkeit«. »Ich habe das alles am Tage wirklich
getan.«
[7] Chauffeurs hießen Banden von Räubern in der Vendée, die sich dieser Tortur bedienten.
[8] Riesenhafte Personen im Traume lassen annehmen, daß es sich um eine Szene aus der
Kindheit des Träumers handelt. Die obige Deutung auf eine Reminiszenz aus Gullivers Reisen ist
übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie eine Deutung nicht sein soll. Der Traumdeuter soll nicht
seinen eigenen Witz spielen lassen und die Anlehnung an die Einfälle des Träumers hintansetzen.
[9] Außer dieser diagnostischen Verwertung der Träume (z. B. bei Hippokrates) muß man ihrer
therapeutischen Bedeutung im Altertum gedenken.
Bei den Griechen gab es Traumorakel, welche gewöhnlich Genesung suchende Kranke
aufzusuchen pflegten. Der Kranke ging in den Tempel des Apollo oder des Äskulap, dort wurde
er verschiedenen Zeremonien unterworfen, gebadet, gerieben, geräuchert, und so in Exaltation
versetzt, legte man ihn im Tempel auf das Fell eines geopferten Widders. Er schlief ein und
träumte von Heilmitteln, die ihm in natürlicher Gestalt oder in Symbolen und Bildern gezeigt
wurden, welche dann die Priester deuteten. Weiteres über die Heilträume der Griechen bei
Lehmann (1908, Bd. 1, 74), Bouché-Leclerq (1879–1882), Hermann (1858, § 41, 262
ff., und
1882, § 38, 356), Böttinger (1795, 163 ff.), Lloyd (1877), Döllinger (1857, 130).
[10] Näheres über die seither in zwei Bänden (1910 und 1912) veröffentlichten Traumprotokolle
dieses Forschers siehe unten.
[11] Periodisch wiederkehrende Träume sind wiederholt bemerkt worden, vgl. die Sammlung von
Chabaneix (1897).
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin