Seite - 2627 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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[20] (1850) nach Spina (1882).
[21] 1868 (bei Spina, 1882, 192).
[22] Es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, wie sich die heilige Inquisition zu unserem Problem
gestellt. Im Tractatus de Officio sanctissimae Inquisitionis des Thomas Careña, 1659, ist
folgende Stelle: »Spricht jemand im Traum Ketzereien aus, so sollen die Inquisitoren daraus
Anlaß nehmen, seine Lebensführung zu untersuchen, denn im Schlafe pflegt das
wiederzukommen, was unter Tags jemand beschäftigt hat.« (Dr. Ehniger, S. Urban, Schweiz.)
[23] Ganz ähnlich äußert sich der Dichter Anatole France (Le lys rouge): Ce que nous voyons la
nuit, ce sont les restes malheureux de ce que nous avons négligé dans la veille. Le rêve est
souvent la revanche des choses qu’on méprise ou le reproche des êtres abandonnés.
[24] Spätere Autoren, die solche Beziehungen behandeln, sind: Féré, Ideler, Lasègue, Pichon,
Régis, Vespa, Gießler, Kazowsky, Pachantoni u. a.
[25] Man vgl. ›Josef Popper-Lynkeus und die Theorie des Traumes‹ (1923c).
[26] In einer Novelle Gradiva des Dichters W. Jensen entdeckte ich zufällig mehrere artifizielle
Träume, die vollkommen korrekt gebildet waren und sich deuten ließen, als wären sie nicht
erfunden, sondern von realen Personen geträumt worden. Der Dichter bestätigte auf Anfrage von
meiner Seite, daß ihm meine Traumlehre fremd geblieben war. Ich habe diese Übereinstimmung
zwischen meiner Forschung und dem Schaffen des Dichters als Beweis für die Richtigkeit meiner
Traumanalyse verwertet. (Der Wahn und die Träume in W. Jensens ›Gradiva‹, Freud, 1907a).
[27] Aristoteles hat sich dahin geäußert, der beste Traumdeuter sei der, welcher Ähnlichkeiten am
besten auffasse: denn die Traumbilder seien, wie die Bilder im »Wasser, durch die Bewegung
verzerrt, und der treffe am besten, der in dem verzerrten Bild das Wahre zu erkennen vermöge
(Büchsenschütz, 1868, 65).
[28] Artemidoros aus Daldis, wahrscheinlich zu Anfang des zweiten Jahrhunderts unserer
Zeitrechnung geboren, hat uns die vollständigste und sorgfältigste Bearbeitung der Traumdeutung
in der griechisch-römischen Welt überliefert. Er legte, wie Th. Gomperz (1866) hervorhebt, Wert
darauf, die Deutung der Träume auf Beobachtung und Erfahrung zu gründen, und sonderte seine
Kunst strenge von anderen, trügerischen Künsten. Das Prinzip seiner Deutungskunst ist nach der
Darstellung von Gomperz identisch mit der Magie, das Prinzip der Assoziation. Ein Traumding
bedeutet das, woran es erinnert. Wohlverstanden, woran es den Traumdeuter erinnert! Eine nicht
zu beherrschende Quelle der Willkür und Unsicherheit ergibt sich dann aus dem Umstand, daß
das Traumelement den Deuter an verschiedene Dinge und jeden an etwas anderes erinnern kann.
Die Technik, die ich im folgenden auseinandersetze, weicht von der antiken in dem einen
wesentlichen Punkte ab, daß sie dem Träumer selbst die Deutungsarbeit auferlegt. Sie will nicht
berücksichtigen, was dem Traumdeuter, sondern was dem Träumer zu dem betreffenden Element
des Traumes einfällt. – Nach neueren Berichten des Missionärs Tfinkdji (1913) nehmen aber
auch die modernen Traumdeuter des Orients die Mitwirkung des Träumers ausgiebig in
Anspruch. Der Gewährsmann erzählt von den Traumdeutern bei den mesopotamischen Arabern:
»Pour interprêter exactement un songe, les oniromanciens les plus habiles s’informent de ceux
qui les consultent de toutes les circonstances qu’ils regardent nécessaires pour la bonne
explication … En un mot, nos oniromanciens ne laissent aucune circonstance leur échapper et ne
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin