Seite - 2635 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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von da an müßten meine Gedanken bis in den Beginn meiner Dozentenzeit zurückgegangen sein,
als ich wirklich keinen Hörsaal hatte und mit meinen Bemühungen, mir einen zu verschaffen, auf
geringes Entgegenkommen bei den hochvermögenden Herren Hofräten und Professoren stieß. Ich
ging damals zu L., der gerade die Würde des Dekans bekleidete und den ich für einen Gönner
hielt, um ihm meine Not zu klagen. Er versprach mir Abhilfe, ließ aber dann nichts weiter von
sich hören. Im Traum ist er der Archimedes, der mir gibt, που̃ στώ, und mich selbst in die andere
Lokalität geleitet. Daß den Traumgedanken weder Rachsucht noch Größenbewußtsein fremd
sind, wird der Deutungskundige leicht erraten. Ich muß aber urteilen, daß ohne diesen
Traumanlaß der Archimedes kaum in den Traum dieser Nacht gelangt wäre; es bleibt mir
unsicher, ob der starke und noch rezente Eindruck der Statue in Siracusa sich nicht auch bei
einem anderen Zeitintervall geltend gemacht hätte.
III. Traum vom 2./3. Oktober 1910.
(Bruchstück) … Etwas von Prof. Oser, der selbst das Menü für mich gemacht hat, was sehr
beruhigend wirkt (anderes vergessen).
Der Traum ist die Reaktion auf eine Verdauungsstörung dieses Tages, die mich erwägen ließ, ob
ich mich nicht wegen Bestimmung einer Diät an einen Kollegen wenden solle. Daß ich im Traum
den im Sommer verstorbenen Oser dazu bestimme, knüpft an den sehr kurz vorher (1. Oktober)
erfolgten Tod eines anderen von mir hochgeschätzten Universitätslehrers an. Wann ist aber Oser
gestorben, und wann habe ich seinen Tod erfahren? Nach dem Ausweis des Zeitungsblattes am
22. August; da ich damals in Holland weilte, wohin ich die Wiener Zeitung regelmäßig
nachsenden ließ, muß ich die Todesnachricht am 24. oder 25. August gelesen haben. Dieses
Intervall entspricht aber keiner Periode mehr, es umfaßt 7 + 30 + 2 = 39 Tage oder vielleicht
40 Tage. Ich kann mich nicht besinnen, in der Zwischenzeit von Oser gesprochen oder an ihn
gedacht zu haben.
Solche für die Periodenlehre nicht mehr ohne weitere Bearbeitung brauchbare Intervalle ergeben
sich nun aus meinen Träumen ungleich häufiger als die regulären. Konstant finde ich nur die im
Text behauptete Beziehung zu einem Eindrucke des Traumtages selbst.
[60] Vgl. meinen Aufsatz ›Über Deckerinnerungen‹.
[61] Die Neigung der Traumarbeit, gleichzeitig als interessant Vorhandenes in einer Behandlung
zu verschmelzen, ist bereits von mehreren Autoren bemerkt worden, z.
B. von Delage (1891, 41).
Delboeuf: rapprochement force (1885, 237).
[62] Traum von Irmas Injektion; Traum vom Freund, der mein Onkel ist.
[63] Traum von der Trauerrede des jungen Arztes.
[64] Traum von der botanischen Monographie.
[65] Solcherart sind die meisten Träume meiner Patienten während der Analyse.
[66] Vgl. im Abschnitt VII über die »Übertragung«
[67] Einen wichtigen Beitrag, der die Rolle des Rezenten für die Traumbildung betrifft, bringt
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin