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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Unvermeidliche, fanden sich in einem Traum kurz vorher, der mir zuerst die Erinnerung an dieses Kindererlebnis wiederbrachte. [77] Die Plagiostomen ergänze ich nicht willkürlich; sie mahnen mich an eine ärgerliche Gelegenheit von Blamage vor demselben Lehrer. [78] Diese Wiederholung hat sich, scheinbar aus Zerstreutheit, in den Text des Traumes eingeschlichen und wird von mir belassen, da die Analyse zeigt, daß sie ihre Bedeutung hat. [79] Ein Irrtum, aber diesmal keine Fehlleistung! Ich erfuhr später, daß das Emmersdorf der Wachau nicht identisch ist mit dem gleichnamigen Asyl des Revolutionärs Fischhof. [80] Nicht im Germinal, sondern in La terre. Ein Irrtum, der mir erst nach der Analyse bemerklich wird. – Ich mache übrigens auf die identischen Buchstaben in Huflattich und flatus aufmerksam. [81] Der ungebetene Biograph, den ich gefunden habe, Dr. Fritz Witteis, hält mir vor, daß ich in obigem Denkspruch den Namen Jehovah ausgelassen habe. Auf der englischen Denkmünze ist der Gottesname in hebräischen Buchstaben enthalten, und zwar auf dem Hintergrund einer Wolke, aber in solcher Art, daß man ihn ebensowohl zum Bild als zur Inschrift gehörig auffassen kann. [82] An diesem Teil des Traumes hat H. Silberer in einer inhaltsreichen Arbeit (1910) zu zeigen versucht, daß die Traumarbeit nicht nur die latenten Traumgedanken, sondern auch die psychischen Vorgänge bei der Traumbildung wiederzugeben vermöge. (»Das funktionale Phänomen.«) Ich meine aber, er übersieht dabei, daß die »psychischen Vorgänge bei der Traumbildung« für mich ein Gedankenmaterial sind, wie alles andere. In diesem übermütigen Traum bin ich offenbar stolz darauf, diese Vorgänge entdeckt zu haben. [83] Andere Deutung: Er ist einäugig wie Odhin, der Göttervater. – Odhins Trost. – Der Trost aus der Kinderszene, daß ich ihm ein neues Bett kaufen werde. [84] Dazu einiges Deutungsmaterial: Das Vorhalten des Glases erinnert an die Geschichte vom Bauern, der beim Optiker Glas nach Glas versucht, aber nicht lesen kann. – (Bauernfänger – Mädchenfänger im vorigen Traumstück.) – Die Behandlung des schwachsinnig gewordenen Vaters bei den Bauern in Zolas La terre. – Die traurige Genugtuung, daß der Vater in seinen letzten Lebenstagen wie ein Kind das Bett beschmutzt hat; daher bin ich im Traum sein Krankenpfleger. – »Denken und Erleben sind hier gleichsam eins« erinnert an ein stark revolutionäres Buchdrama von Oskar Panizza, in dem Gottvater als paralytischer Greis schmählich genug behandelt wird; dort heißt es: Wille und Tat sind bei ihm eines, und er muß von seinem Erzengel, einer Art Ganymed, abgehalten werden zu schimpfen und zu fluchen, weil diese Verwünschungen sich sofort erfüllen würden. – Das Plänemachen ist ein aus späterer Zeit der Kritik stammender Vorwurf gegen den Vater, wie überhaupt der ganze rebellische, majestätsbeleidigende und die hohe Obrigkeit verhöhnende Inhalt des Traums auf Auflehnung gegen den Vater zurückgeht. Der Fürst heißt Landesvater, und der Vater ist die älteste, erste, für das Kind einzige Autorität, aus deren Machtvollkommenheit im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte die anderen sozialen Obrigkeiten hervorgegangen sind (insofern nicht das »Mutterrecht« zur Einschränkung dieses Satzes nötigt). – Die Fassung im Traum, »Denken und Erleben sind eins«, zielt auf die Erklärung der hysterischen Symptome, zu der auch das 2637
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Titel
Schriften von Sigmund Freud
Untertitel
(1856–1939)
Autor
Sigmund Freud
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
Abmessungen
21.6 x 28.0 cm
Seiten
2789
Schlagwörter
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Kategorien
Geisteswissenschaften
Medizin
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