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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Seite - 2648 -
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Angst so vieler Menschen, lebendig begraben zu werden, als auch die tiefste unbewußte Begründung des Glaubens an ein Fortleben nach dem Tode, welches nur die Projektion in die Zukunft dieses unheimlichen Lebens vor der Geburt darstellt. Der Geburtsakt ist übrigens das erste Angsterlebnis und somit Quelle und Vorbild des Angstaffekts. [173] »Die gleichen Symboldarstellungen, die im infantilen Sinne dem vesikalen Traume zugrunde liegen, erscheinen im ›rezenten‹ Sinne in exquisit sexueller Bedeutung: Wasser = Urin = Sperma = Geburtswasser; Schiff = ›schiffen‹ (urinieren) = Fruchtbehälter (Kasten); naß werden = Enuresis = Koitus = Gravidität; schwimmen = Urinfülle = Aufenthalt des Ungeborenen; Regen = Urinieren = Befruchtungssymbol; Reisen (fahren = Aussteigen) = Aufstehen aus dem Bett = Geschlechtlich verkehren (›fahren‹, Hochzeitsreise); Urinieren = sexuelle Entleerung (Pollution).« (Rank, 1912 a, 95.) [174] S. Freud (1908 b); Rank (1912 a); Dattner (1913); Reik (1915). [175] Ferner Rank (1911 b); Reik (1911). Rank (1914). [176] Analysen von anderen Zahlenträumen siehe bei Jung, Marcinowski und anderen. Dieselben setzen oft sehr komplizierte Zahlenoperationen voraus, die aber vom Träumer mit verblüffender Sicherheit vollzogen werden. Vgl. auch Jones (1912 a). [177] In der gleichen Weise wie der Traum verfährt auch die Neurose. Ich kenne eine Patientin, die daran leidet, daß sie Lieder oder Stücke von solchen unwillkürlich und widerwillig hört (halluziniert), ohne deren Bedeutung für ihr Seelenleben verstehen zu können. Sie ist übrigens gewiß nicht paranoisch. Die Analyse zeigt dann, daß sie den Text dieser Lieder mittels gewisser Lizenzen mißbräuchlich verwendet hat. »Leise, leise, fromme Weise.« Das bedeutet für ihr Unbewußtes: Fromme Waise, und diese ist sie selbst. »O du selige, o du fröhliche« ist der Anfang eines Weihnachtsliedes; indem sie es nicht bis zu »Weihnachtszeit« fortsetzt, macht sie daraus ein Brautlied u.  dgl. – Derselbe Entstellungsmechanismus kann sich übrigens auch ohne Halluzination im bloßen Einfall durchsetzen. Warum wird einer meiner Patienten von der Erinnerung an ein Gedicht heimgesucht, das er in jungen Jahren lernen mußte: »Nächtlich am Busento lispeln…« Weil sich seine Phantasie mit einem Stück dieses Zitats: »Nächtlich am Busen« begnügt. Es ist bekannt, daß der parodistische Witz auf dieses Stückchen Technik nicht verzichtet hat. Die Fliegenden Blätter brachten einst unter ihren Illustrationen zu deutschen »Klassikern« auch ein Bild zum Schillerschen ›Siegesfest‹, zu dem das Zitat vorzeitig abgeschlossen war. »Und des frisch erkämpften Weibes Freut sich der Atrid und strickt.« Fortsetzung: Um den Reiz des schönen Leibes Seine Arme hochbeglückt. [178] Die Inschrift lautet richtig: Saluti publicae vixit 2648
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Titel
Schriften von Sigmund Freud
Untertitel
(1856–1939)
Autor
Sigmund Freud
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
Abmessungen
21.6 x 28.0 cm
Seiten
2789
Schlagwörter
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Kategorien
Geisteswissenschaften
Medizin
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