Seite - 2651 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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ich vorwiegend meine eigenen Träume bearbeitete, denen seltener Tagträume, meist
Diskussionen und Gedankenkonflikte, zugrunde liegen. Bei anderen Personen ist die volle
Analogie des nächtlichen Traumes mit dem Tagtraume oft viel leichter zu erweisen. Es gelingt
häufig bei Hysterischen eine Attacke durch einen Traum zu ersetzen; man kann sich dann leicht
überzeugen, daß für beide psychische Bildungen die Tagtraumphantasie die nächste Vorstufe ist.
[199] Tobowolska, S. 53.
[200] ›Zur Einführung des Narzißmus‹ (1914 c).
[201] Ich fand es früher einmal so außerordentlich schwierig, die Leser an die Unterscheidung
von manifestem Trauminhalt und latenten Traumgedanken zu gewöhnen. Immer wieder wurden
Argumente und Einwendungen aus dem ungedeuteten Traum, wie ihn die Erinnerung bewahrt
hat, geschöpft und die Forderung der Traumdeutung überhört. Nun, da sich wenigstens die
Analytiker damit befreundet haben, für den manifesten Traum seinen durch Deutung gefundenen
Sinn einzusetzen, machen sich viele von ihnen einer anderen Verwechslung schuldig, an der sie
ebenso hartnäckig festhalten. Sie suchen das Wesen des Traums in diesem latenten Inhalt und
übersehen dabei den Unterschied zwischen latenten Traumgedanken und Traumarbeit. Der
Traum ist im Grunde nichts anderes als eine besondere Form unseres Denkens, die durch die
Bedingungen des Schlafzustandes ermöglicht wird. Die Traumarbeit ist es, die diese Form
herstellt, und sie allein ist das Wesentliche am Traum, die Erklärung seiner Besonderheit. Ich
sage dies zur Würdigung der berüchtigten »prospektiven Tendenz« des Traums. Daß der Traum
sich mit den Lösungsversuchen der unserem Seelenleben vorliegenden Aufgaben beschäftigt, ist
nicht merkwürdiger, als daß unser bewußtes Wachleben sich so beschäftigt, und fügt nur hiezu,
daß diese Arbeit auch im Vorbewußten vor sich gehen kann, was uns ja bereits bekannt ist.
[202] Das gleiche bei Foucault und Tannery.
[203] Vgl. Psychopathologie des Alltagslebens (1901 b).
[204] Der hier so peremptorisch aufgestellte Satz: »Was immer die Fortsetzung der Arbeit stört,
ist ein Widerstand«, könnte leicht mißverstanden werden. Er hat natürlich nur die Bedeutung
einer technischen Regel, einer Mahnung für den Analytiker. Es soll nicht in Abrede gestellt
werden, daß sich während einer Analyse verschiedene Vorfälle ereignen können, die man der
Absicht des Analysierten nicht zur Last legen kann. Es kann der Vater des Patienten sterben,
ohne daß dieser ihn umgebracht hätte, es kann auch ein Krieg ausbrechen, der der Analyse ein
Ende macht. Aber hinter der offenkundigen Übertreibung jenes Satzes steckt doch ein neuer und
guter Sinn. Wenn auch das störende Ereignis real und vom Patienten unabhängig ist, so hängt es
doch oftmals nur von diesem ab, wieviel störende Wirkung ihm eingeräumt wird, und der
Widerstand zeigt sich unverkennbar in der bereitwilligen und übermäßigen Ausnützung einer
solchen Gelegenheit.
[205] Als Beispiel für die Bedeutung von Zweifel und Unsicherheit im Traum bei gleichzeitigem
Einschrumpfen des Trauminhalts auf ein einzelnes Element entnehme ich meinen Vorlesungen
zur Einführung in die Psychoanalyse folgenden Traum, dessen Analyse nach kurzem zeitlichen
Aufschub doch gelungen ist:
»Eine skeptische Patientin hat einen längeren Traum, in dem es vorkommt, daß ihr gewisse
Personen von meinem Buche über den ›Witz‹ erzählen und es sehr loben. Dann wird etwas
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Titel
- Schriften von Sigmund Freud
- Untertitel
- (1856–1939)
- Autor
- Sigmund Freud
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 21.6 x 28.0 cm
- Seiten
- 2789
- Schlagwörter
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Kategorien
- Geisteswissenschaften
- Medizin