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Der Global Terrorism Database (GTD)1 zufolge ist die Zahl der Terroranschläge zwi-
schen 2014 und 2018 um 43 %, die der Todesopfer sogar um 52 % gesunken. 2018
starben bei mehr als 9.600 Anschlägen weltweit 15.952 Menschen (ohne Einberech-
nung der Täter). 2017 waren es noch 17.284 gewesen. Dies bedeutet einen Rückgang um
15,2 %. (→ Miller 2019: 1; Institute for Economics and Peace 2019: 12-14).2 Der Trend
zeigte sich jedoch nicht in allen Regionen und Staaten.
Besonders deutlich war der Rückgang 2018 gegenüber dem Vorjahr im Irak. Dort sank
die Zahl der Terroropfer um 75 % von 4.271 auf 1.054. Auch in Syrien und Somalia
waren 2018 deutliche Rückgänge zu notieren. Eine starke Zunahme an Todesopfern
war dagegen in Afghanistan zu verzeichnen; hier starben im Jahr 2018 7.379 Menschen
durch terroristische Anschläge, das waren 2.726 mehr als 2017. Auch in Nigeria, Mali
und Mosambik hat die Zahl der Todesopfer 2018 zugenommen (→ Institute for Econo-
mics and Peace 2019: 12-14).
Für das Jahr 2019 liegen noch keine Zahlen vor, aus denen sich der globale Trend
verlässlich fortschreiben lässt. Wie in den Jahren zuvor, soviel lässt sich bereits sagen,
war der islamistisch motivierte Terrorismus auch 2019 für die weit überwiegende Zahl
der Todesopfer verantwortlich. 2018 und 2019 führten islamistische Gruppen erneut
die Rangfolge an: die afghanischen Taliban, der sogenannte Islamische Staat (IS), die
Khorasan-Untergliederung des IS und Boko Haram in Nigeria.
In Europa starben 2018 deutlich weniger Menschen durch Terroranschläge als im
Jahr zuvor. Während 2017 mehr als 200 Menschen getötet wurden, betrug die Zahl
der Todesopfer 2018 62, die Zahl der Anschläge sank um 40 % auf 245, der niedrigsten
Anzahl seit 2012 (→ Institute for Economics and Peace 2019: 3). Auch für Westeuropa
liegen mit den Vorjahren vergleichbare Zahlen für 2019 noch nicht vor. Hier starben
durch Terroranschläge mindestens elf Menschen, sechs von ihnen durch islamistisch
motivierte Täter, mindestens drei Menschen durch Rechtsterroristen.
Auch wenn es weltweit einen abnehmenden Trend terroristischer Anschläge und ihrer
Opfer gibt, sind die Zahlen noch immer hoch und beunruhigend. Mehr noch: Besorgni-
serregend ist, dass sich im rechtsterroristischen Spektrum ein umgekehrter Trend
entwickelt hat. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl opferreicher terroristischer
Angriffe durch rechtsextreme Täter in Europa, Nordamerika, Australien und Neusee-
land deutlich erhöht → 44 /145. 2018 starben mindestens 26 Menschen weltweit durch
rechtsextremen Terrorismus, bis zum Herbst 2019 waren bereits 84 Tote zu beklagen
(→ Institute for Economics and Peace 2019: 5).3 Allein bei dem Anschlag auf zwei
Moscheen im neuseeländischen Christchurch starben 51 Menschen und 49 wurden
verletzt, bei einem rechtsextremistisch motivierten Anschlag im nordamerikanischen
El Paso wurden 22 Menschen getötet und 24 verletzt. Im Februar 2020 sind bei einem
rassistisch motivierten Anschlag im hessischen Hanau zehn Menschen erschossen
worden → 45 /146. Rechtsterroristische
Anschläge mit vielen
Opfern nehmen zu
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142 2020 / Eine neue Welle des Rechtsterrorismus / TRANSNATIONALE SICHERHEITSRISIKEN
Friedensgutachten 2020
Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Titel
- Friedensgutachten 2020
- Untertitel
- Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5381-0
- Abmessungen
- 21.0 x 28.5 cm
- Seiten
- 162
- Schlagwörter
- Frieden, Bewaffnete Konflikte, Sicherheit, Internationale Politik, Entwicklungszusammenarbeit, Krieg, Gewalt, Politik, Konfliktforschung, Globalisierung, Politikwissenschaft
- Kategorie
- Recht und Politik