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mit Horn od,r Klauen,') und stellt sle schnell im noch sichtlich glü-
henden Zustande in kaltes Wasser. Wird mit der Zeit die Stahl-
belegung schon zu sehr abgenützt, oder löst sich diese theilweise ab,
so muß eine neue Stahlbelegung vorgenommen weiden. Zu dieser,
so wie zu allen Verstahlungen des Hammerzeuges, wird immer ro-
her, ungegärbter Stahl der härtesten Gattung «erwendet, der auf
den Stahlzerrennhämmern von den härtesten Dacheln ausgesucht,
und in Gestalt von Kolben verschiedener Größe unter dem Na-
men Zeugmach stahl aufbewahrt wird. Von diesen Stahltolben
schmiedet man sich ein Stück vor, von der Gestalt, wie sie di«
Stahlbelegung für jeden einzelnen Fall fordert. Die schlecht gewor-
dene Stahlbelegung wird in der Glühhitze mit scharfen Schrittern
vollends weggehauen, und das davon entblößte Stück auf der neu
zu belegenden Fläche durch in verschiedenen Richtungen geführt»
EinHübe mit dem Schrötter rauh gemacht, damit die Tchweißhitze
besser angreifen kann. So vorbereitet werden beide Theile an ihren
zu vereinigenden Flächen gleichzeitig zur Schweißhitze gebracht, der
Eisentheil natürlich wird dazu längere Zeit brauchen, und muß eine
schärfere, stärkere Hitze erhalten, als die sehr rohe Stahlbelegung,
und besonders muß Sorge getragen werden, daß durch öfteres Ve«
streuen mit Schweißsand schöne saftige, nicht sengende Hitzen erzeugt
werden; dann wird mit dem Eisentheil zuerst aus dem Feuer ge-
fahren, derselbe zur Aufnahme der Stahlbelegung in Vcreitschaft
gestellt, und in dieser Lage schnell die schweißende Fläche der Stahl-
belegung aufgelegt; darauf anfangs sorgfältig mit schwachen Schlä-
gen eines Handhammers angeschlagen, bis beide Flächen gegriffen
haben, wornach stärkere Schläge geführt, und endlich die Zangen»
greifen oder der übrig gebliebene Stahlkolben von der Stahlbele«
gung mit einem Schrötter hindan gehauen wird. Nun bringt man
das ganze Stück mit der Stahlbelegung ins Feuer zurück, um nach
») Dicscs Bestrcichen Mit Horn oler »lauen, wo« ie nach der Größe de« Hörher«,
durch ! bis : Minuten hmdurch fortgesetzt wird, bezweckt an 5er dcstiichenen
Oberfläche eine Cementaüon, folglich ein Harterwerven d«i Stahle«. Zwar
taun die Eementation in dieser furzen Zeit unmöglich zu elner mirklichen
Tiefe eindringen, diesem Verfahre» deikalb keine große Wichtigkeit leigclcgt
werden i allein in so ferne ej wirkt, kann dlc Wirkung nur gut, schccht ful
fcmcn Fall se»n.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen