Seite - 255 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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So wie die Arbeitscite bildet auch die Formseite eine gerade
Wand, und zwar aus derselben Ursache, weil nämlich diese Seite
ebenfalls mit einer 2 bis 3 Zoll dicken Eisenplatte, Abbrand
genannt, verwahrt ist. Die Veranlassung für den Gebrauch des Ab-
brandes liegt in dem Umstände, daß sich auf dieser Seite immer
Ansähe von Sinter und Eisenthcilen bilden, die weggestoßen wer-
den müssen, wobei das Mauerweit einerseits mehr leiden, und an-
derseits das Wegstoßen selbst mehr Schwierigkeiten haben würde,
als bei der glatten Wand des Abbrandes. Her Abbrand nimmt aber
nicht immer die ganze Seite der Herdgrube unter dem Gßcisen ein,
sondern steht vom Voden und den beiden angränzenden Seiten
mehrere Zoll ab, indem er mit seiner Dicke im Mauerwerle sitzt,
mit etlichen Gisenklammern darin befestiget ist, und somit nur den
zunächst unter der Form befindlichen Theil bildet, wo die meisten
Nnlätze ihren Sitz haben. In neuerer Zeit findet jedoch diese Oeko-
„omie mit dem Gußeisen selten Statt, und man zieht es vor, dem
Abbrand die ganze Vreite und Höhe der Grube bis zum Eßeiftn
zu geben, wodurch mehr Festigkeit und Beständigkeit dieser Grube
bezweckt wird. Ja man ist jetzt schon auf mehreren Hammerwer-
ken zur Einsicht gelangt, daß es sogar zweckmäßig ist, wenn man
das Mauerwert über dem Gßeisen auch mit einer Eisenplatte schü«
tzet, die unmittelbar auf dem Abbrande aufstehet, 24 bis 30 Zoll
hoch, und nach der Arbeitseite zu mit einem abgeschärften Rande
versehen ist. Damit aber die Form, welche öfters herausgenom-
men, reparirt oder sonst verändert werden muß, bequem herausge»
nommen und neu eingelegt werden kann, muß diese obere Eisen-
platte mit einem Ausschnitte versehen seyn, groß genug, um mit
dem hintern, weitern und höhern Ende der Forin aus- und ein-
fahren zu können; dadurch bleibt zugleich der nöthige Spielraum
für den vordern Theil, den Rüssel derselben, um damit nach Er-
forderniß von der mittlern Lage auf die eine oder andere Seite
abweichen zu kennen. Die Formseite wird gewöhnlich lothrecht auf-
geführt, was im Allgemeinen das Zweckmäßigste ist; übrigens kom-
men kleine Abweichungen nach ein oder der andern Seite allerdings
bisweilen vor.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen