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aus feuerfesten Ziegeln oder Steinen hergestellt werden; der Vodcn
des Feuers besteht gleichfalls aus feuerfesten Ziegeln oder Steinen,
und wird mit einer Quarzsandlage von etlichen Zollen Dicke be-
deckt. Weil aber bei dem Prozesse, der in diesen Feuern Statt
findet (in einer Reinigung des Roheisens bestehend) sehr viel Schlacke
gebildet wird, welche vermog ihrer chemischen Beschaffenheit alle Stei-
ne und Ziegel stark angreift, so werden in neuerer Zeit die Wände
derselben gewöhnlich nicht aus Mauerwerk, sondern aus gußeisernen
Platten hergestellt, auf welche die Schlacke, unmittelbar wenigstens.,
chemisch nicht einwirken kann. Damit diese gußeisernen Platten je-
doch von der Hitze nicht so leicht angegriffen werden können, müs-
sen selbe entweder von außen frei stehen, um von der kalten Luft
abgekühlt zu werden, oder man macht sie hohl, und läßt in dem
hohlen Raume kaltes Waffer circuliren, um sie kühl zu erhalten.
ß. 75. Wir sehen aus dem Vorausgegangenen, daß die ge-
mauerten Herdgruben bei uns selten vorkommen, immer mehr ab-
nehmen, und in andern Ländern sind sie fast gar nie zu sehen, waS
in den Vercinsländern inqlcichen bald der Fall seyn dürfte. Sie
finden zwar auf unsern Hammerwerken noch ihre Vertheidiger, in-
dem sie in der ersten Herstellung, wie in der Reparatur, billiger
als jene mit Eiscnplatten zu stehen kommen; allein die Ersparung
an den Herstellungskosten des Fcucrbaues geht durch den größern
Kohlenaufwand, der bei diesen gemauerten Herdgruben nothwendige
Folge ist, mehrfach wieder verloren. Manche behaupten indessen das
Gegentheil, weil nach ihrer Meinung die gemauerten Grubenwände
kalter bleiben als die eisernen, und deßhalb die Löschgrube sich we-
niger erweitern, mithin diese enger gehalten werden könne, we»
durch folglich eine Ersparung an Kohlen bezweckt werden muß.
Wenn wir uns aber erinnern, was im vorhergehenden §. über das
Verzehren der Lösche, und den Mitteln, dies zu reguliren, angeführt
wurde, so ergibt sich schon daraus das Unhaltbare dieser Vehaup<
tung; und wenn wir uns weiter erinnern, daß die flüssige Frisch»
schlacke, mithin auch das Schmelzgut, nicht in Berührung mit den
gemauerten Wänden kommen soll, um so weniger wenn das Schmelz-
gut von oben ausgebrochen werden muß, sich also nicht zwischen dem
bald uneben gewordenen Mauerwcrke verklemmen darf, so wird ein-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen