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Man prüft die Große des Vuges, indem man den Eßeisenform auf
den hintern, ebenen Blatt-Theil der Form aufliegen läßt, und nach-
sieht, wie groß der Abstand deS abgebogenen Formrandes vom Form«
«isen ist. Das weitere Abfeilen der Formmündung geschieht wie frü-
her. Viele Hammermeistcr pflegen das Eßeisen früher abzuküh-
len, bevor sie zum Abfeilen desselben schreiten.
Hat man ein altes, zu sehr ausgearbeitetes Gßeisen abzurich-
ten, so wird dasselbe gleich einem neuen in Rochglühhitze versetzt, dann
mit dem weitern Ende auf einen ebenen Vodcn gebracht, und mit
einem Handhammer der Rüssel am Rande der Mündung gestaucht
und von den Seiten zusammengetrieben. Dadurch wird die Mün-
dung verengt, und dann folgt das Abrichten wieder wie bei eincm
neuen, wozu man aber gewöhnlich eine nochmalige Rothglühhitze
geben muß. Auf diese Art kann eine Form, wenn anders ein zähes
Kupfer darin enthalten ist, 20 bis 30mal abgerichtet weiten, mit-
hin etliche Jahre im Gebrauche seyn. Durch das öftere Abrichten
wird aber endlich der Fonnrüffcl zu kurz, und die Erweiterung im
Innern hinter der verengten Mündung zu plötzlich, es bekömmt
eine sackige Gestalt, wie die Hammerschmiede sagen, was den
wesentlichen Nachtheil hat, daß sich der Wind darin zu sehr abstoßt.
Bei schlechtem, spröden Kupfer gehen die meisten Eßcisen schon da-
durch früher zu Grunde, bevor sie eine sackige Gestalt annehmen,
daß sie an irgend einer Stelle des Randes an- und endlich aus-
brechen, besonders häufig ereignet sich das an den Ecken, wenn
das Abrichten mit einem Vug geschieht. Bisweilen wird ein Eßci-
sen dadurch unbrauchbar gemacht, daß durch ein Versehen bei dcr
Frischarbeit ein Theil des Rüssels weggcbrannt wird.
Behufs des Einlegens der abgerichteten Form mußderNaum
des Formkastens II, Fig. 18, gan; gesäubert werden. 3lm Voden
des Formkastens befindet sich eine Eisen- oder Steinplatte », welche
schon nohe die gewöhnliche Neigung des Eßeisens erhalten hat.
Man braucht dann zur Erzielung der gewünschten Formncigung
nur einige dünne Eiscnkeile oder bloße Streifen von Eisenschiencn
entweder auf den Abbrand K oder auf der Platte » unterzulegen.
Vevor das Oßeisen auf seinen Platz gelegt wird, überstreicht man
daösclbc auf seiner unlern Seite mit einem dicken Thonbrei, damit
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen