Seite - 285 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Bild der Seite - 285 -
Text der Seite - 285 -
— 285 —
gang verwechselt, ist aber wesentlich davon verschieden. Auch ist nicht
immer ein Gaargang Folge des kalten Ganges; denn sinkt die Tem-
peratur zu tief, so tritt anstatt des Frischen« ein Erstarren ei»,
und da dieses niemals im ganzen Herde gleichmäßig, sondern nur
theilweise erfolgt, so ist zugleich ein sehr ungleiches rohes Schmelz-
gut das Resultat eines ;u kalten Ganges. Der kalte Gang wird
in seinem Verlaufe zugleich ein schlackiger Gang werden, weil viele
Schlacke dabei gebildet wird; allein der schlackige Gang hat außer-
dem noch andere Quellen, die wir bei der Frischarbcit selbst kennen
lernen werden« Stets aber wird unter einem schlackigen Gang
derjenige »erstanden, bei dem sich ein großes Quantum Schlacke
im Herde bildet, was je nach Beschaffenheit der Schlacke einen ver-
schiedenen Einfluß nehmen kann, im Allgemeinen aber eine Verzö-
gerung des Frischens bewirkt. Unter einem trockenen Gang end-
lich versteht man jenen Zustand im Frischhcrde, bei dem sich wenig
Schlacke über dem Schmelzgute befindet. Dabei wird letzteres mehr
dem Einstusse des Windes ausgesetzt, mithin ein stärkerer Eisenver-
brand, zugleich aber auch ein rascheres Frischen die Folge davon
seyn, wenn die gebildete Schlacke immer wieder entfernt, stets nach
einem trockenen Gange getrachtet wird. Das Abstechen der Schlacke
ist aber nicht die einzige Quelle eines trockenen Ganges, wie wir
ausführlich bei den einzelnen Frischarbeiten sehen weiden. Hier sey
nur noch bemerkt, daß die verschiedenen Arten des Roheisens nicht
bloß eine verschiedene Neigung zum Gaargang oder Rchgang ha-
ben, was durch den Kohlengchalt bedingt wird, sondern daß sie in
ähnlicher Art und Weise auch eine verschiedene Neigung zum hitzi-
gen, kalten, trockenen oder schlackigten Gang zeigen, was wahr-
scheinlich turch die übrigen fremden Bestandtheile deö Roheisens
veranlaßt wird.
ß. 82 . Kurz zusammcngcfaßt sind dic Mittel zur Erlangung
eines gaaren, weichen Ganges der Frischfeucr durch die Herdstel-
lung und Windführung Folgende: u) eine kleine Entfernung der
Form vom Frischboden, d) eine starke Neigung der Form, c) ein
der Form ertheiltes Uebcrmaul, ä) eine Neigung des Frischbodens
nach der Formseite, o) ein geringer Abstand der Form vom Hin-
tcrzacken, l) ein schwacher Wind, 8) ein großes Fcrmauge, l>) ein
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen